Architecture In Helsinki im Interview
Eine der vielseitigsten und facettenreichsten Twee-Pop Bands kommt wohl aus Melbourne, Australien. Spätestens mit ihrem zweiten Album löste die acht-, heute sechsköpfige Combo Architecture In Helsinki wahre Begeisterungsstürme aus und mit dem Nachfolger “Places Like This” im Gepäck kamen sie nun exclusiv nach Deutschland. Um die Menschen zu bewegen, zum Tanzen zu bringen und gute Stimmung zu verbreiten. Wir trafen Sängerin und Multinistrumentalistin Kellie Sutherland zum Interview und sie erzählte über Australien, das Teilen von Socken, die Zukunftspläne ihrer Band und den Sturz des australischen Premierministers.
Zu allererst, wie geht’s dir?
Mir geht’s eigentlich ziemlich gut, bin nur ein klein wenig angeschlagen. Ich hoffe, ich habe mir keine Erkältung eingefangen. Ansonsten, also geistig, geht es mir super.
Auf eurer momentanen Tour spielt ihr zwei Konzerte in Deutschland – was ist euer Eindruck, gefällt es euch hier?
Wir haben ja schon einige Male hier gespielt und die deutschen Konzerte haben immer unheimlich viel Spaß gemacht!
Wart ihr in Köln heute schon ein bisschen auf Sightseeing-Tour?
Leider nein, wir sind vorhin hier angekommen mit unserem Bus und die einzige Aussicht, die wir hatten, war diese Wand. (deutet auf die Backsteinwand eines anliegenden Gebäudes) Wir sind nur ein bisschen in der Gegend hier rumgelaufen, das ist alles.
Ihr kommt ja aus Melbourne, wie steht es um die Musikszene dort?
Die Melbourner Musikszene ist sehr aktiv, es sind viele verschiedene Stile und Musikrichtungen vertreten. Wenn irgendwo Bands spielen, sind auch immer DJs da, die danach auflegen und die Bands treten in Nightclubs auf, ebenso in traditionelleren Musik-Hallen oder in Theatern. Musikalisch findet in Melbourne auf jeden Fall mehr statt, als irgendwo anders in Australien.
Hast du irgendwelche Lieblingsbands, die einmal den großen Durchbruch schaffen sollten?
Eine Band, die ich sehr liebe, ist Pikelet. P-I-K-E-L-E-T. Und bei den Soloartists mag ich Guy Blackman sehr gerne, er ist ein Singer/Songwriter mit einer sehr tiefen und dunklen Stimme und sein Album ist wirklich toll.
Eure Band besteht momentan aus sechs Leuten, ihr wart allerdings auch mal acht. Was ist da anders, wenn man Musik macht oder auf Tour geht?
8 Bandmitglieder waren schon außergewöhnlich, aber 6 Leute sind ja schon relativ normal, außer man ist eine Rock’n'Roll-Band. Als wir noch zu acht waren, hat das Reisen immer eine Menge Spaß gemacht und es war beispielsweise immer jemand da, der mit dir ausging oder so. Mit sechs Leuten sind alle beisammen und es ist eher wie ein großes Gespräch. Genauso ist es dann auch bei der Musik. Zu acht waren wir eher eine Art Kollektiv, während wir zu sechst nun eine richtige Band sind, mit einem gemeinsamen Ziel. Musikalisch liegen wir alle auf einer Wellenlänge, wir teilen die Musik, Süßigkeiten und die Jungs teilen ihre Socken. (lacht)
“Wir teilen die Musik, Süßigkeiten und die Jungs teilen ihre Socken.”
Eure Musik ist sehr experimentell und ihr probiert gerne neue Dinge aus – was wird eure nächste Herausforderung und was würdet ihr gerne mal ausprobieren?
Oh, da habe ich echt keine Ahnung. Ich weiß nur, dass das, es sich von dem unterscheiden wird, was wir in der Vergangenheit so gemacht haben. Vielleicht schreiben wir mal einen Film-Soundtrack oder kreiren eine Seifenoper! Oder wir machen eine musikalische Komödie… oder einfach noch ein Pop-Album.
Ist das, wo du die Band in 10 Jahren siehst?
So denke ich eigentlich nicht. Ich kann sagen, wo ich meine Band in 10 Tagen sehe, weil ich den Zeitplan kenne, aber… so weit in die Zukunft denke ich nicht. Wir entwickeln uns kreativ und musikalisch immer weiter und werden uns gegenseitig immer wieder herausfordern. Wenn wir irgendwann einmal an einen Punkt kommen sollten, an dem es nicht mehr weitergeht, dann ist es eben vorbei mit der Band. Aber momentan ist es wirklich sehr interessant und aufregend.
Mit wem würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
(überlegt) Ich würde gerne mal mit David Byrne von den Talking Heads zusammenarbeiten, das würde sicher ziemlich ausgefallen werden. Und dann gibt es da eine fantastische Band namens Dr. Dog, die wir alle lieben. Wir haben schon mit ihnen zusammengearbeitet, waren zusammen auf Tour und wir würden es immer wieder tun. Einmal haben wir zusammen “Bohemian Rhapsody” von Queen gecovert, das war echt ziemlich verrückt. Ich würde auch gerne mal einen Dance-Produzenten kommen lassen, der ein bisschen mehr Bass reinbringt und dann ein Album machen! Wer weiß…
Was wollt ihr mit der Musik, die ihr macht, erreichen?
Ich denke, Architecture In Helsinki hatte schon immer das Ziel, die Menschen zu erreichen und zu bewegen. Unsere Musik soll aufbauend sein, vermittelt positive Energie und lenkt das Denken in eine positive Richtung. Es gibt immer noch viel zu viel Scheiße draußen in der Welt und vielleicht kann die Musik ja helfen, jemanden in eine bessere Stimmung zu versetzen und zum positiven Denken zu animieren.
Das Internet hat es für euch und auch viele andere junge Bands um einiges einfacher gemacht, bekannt zu werden. Was denkst du über Music Sharing oder Musikdownloads?
Ich finde, Music Sharing ist eine ziemlich unglaubliche Sache, die ganze Musikindustrie verändert sich momentan aufgrund von illegalen Downloads – vielleicht wird das ganze irgendwann ja auch gar nicht mehr illegal sein. Das Gute daran ist natürlich, dass der Wert von Livekonzerten gestiegen ist. Eine Band schafft es nicht nur auf der Basis von einem Album allein, sie müssen auch anderweitig Geld verdienen und auf Tour gehen. Bei sowas sind Downloads natürlich förderlich. Tragisch wird das Ganze bei Bands, die auf Major-Labels sind und angewiesen darauf, was sie mit ihren Plattenverkäufen verdienen. Wenn jeder nur downloaden würde, würde das bedeuten, dass die ärmeren Bands gar nicht mehr in der Lage wären, aus ihrem Land herauszukommen. Wenn die Leute unser Album nur illegal heruntergeladen hätten, wären wir vielleicht jetzt gar nicht hier… Wie gesagt, es hat eine gute und eine schlechte Seite.
Last but not least, gegen was würdest du gerne mal eine große Demonstration starten?
John Howard, der Premierminister von Australien. Er regiert unser Land und ich hasse ihn. (schmunzelt) Es gibt so oder so bereits viele Demonstrationen gegen ihn und seine Politik, aber vielleicht keine speziell gegen John Howard persönlich. Ich meine, ich mische mich ja automatisch ein, in Interviews beispielsweise, aber das wäre etwas, wo ich absolut mitmachen und auf die Straße gehen würde. Der Sturz unseres Präsidenten.
Vielen Dank für das Interview!
Text: Ines Montani
Foto: Rene Vaile

















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