Bondage Fairies im Interview
Die Bondage Fairies aus Schweden haben einen recht speziellen Humor. Ihren Namen liehen sie sich von einem Manga-Porno, auf der Bühne tragen sie Masken und ihr Logo ziert der Slogan “Death By Penis”. Das sahen auch die Berliner Veranstalter und sagten kurzerhand das Konzert des Duos ab. Das Logo verherrliche Vergewaltigung. “Dabei war das doch gar nicht ernst gemeint!” protestiert Sänger Elvis Creep. “Von einem Dildo totgeprügelt werden – das ist doch auf eine Art und Weise echt lustig.” Im Interview erzählten er und sein Bandkollege Deus Deceptor uns mehr lustige Dinge – von Insekten, billigem Wein und Dildos.
Warum zeigt ihr euch auf der Bühne nur maskiert?
Elvis Creep: Es hat nur Vorteile und sieht schick aus!
Deus Deceptor: Und wir sind gerne anonym. Creeps Helm hat außerdem noch ein Mikrofon eingebaut, das ist sehr praktisch und man spart sich einen Mikrofon-Ständer.
Creep: In 99 Prozent der Fälle können wir nach dem Gig einfach aus dem Club laufen und niemand erkennt uns.
Und warum habt ihr euch für solche Masken entschieden? Die erinnern ja fast schon an Insekten.
Deus: Das würde ich nicht sagen, die sehen eher aus wie japanische Roboter, Roboter aus den Siebzigern, Comicfilme – so Transformers-Style eben. Erinnert vielleicht ein wenig an Insekten, aber das ist nicht gewollt.
Creep: Vielleicht kommt die Insekten-Assoziation auch daher, dass es in dem Comic “Bondage Fairies” (ein Manga-Porno, Anm. d. Red.), von dem wir ja unseren Namen haben, oft um Insekten geht. Hmmm…
Deus: Wir hatten auch eigentlich keinen bestimmten Stil im Kopf, wir haben einfach angefangen zu basteln und die Masken sind so geworden, wie sie jetzt aussehen.
Was inspiriert euch?
Creep: Das Leben, Hass und… alles.
Deus: Das alltäglich Leben. Meins ist eigentlich relativ langweilig und nicht wirklich erwähnenswert. Ich habe neben der Band auch noch einen anderen Job. Da gehe ich morgens hin, komme nach Hause und dann bin ich so müde, dass ich direkt einpenne. Wenn ich mal einen freien Tag habe, versuche ich immer, etwas Produktives zu machen, aber es läuft meist darauf hinaus, dass ich mich sinnlos betrinke. (lacht)
Für wen macht ihr Musik?
Creep: Menschen, die auf das gleiche stehen wie wir: Punk, gemischt mit kitschigen Vintage-Computer-Sounds. Eine Menge Humor müssen sie haben. Eigentlich habe ich da noch nie so wirklich drüber nachgedacht.
Ihr spielt jetzt zum zweiten Mal hier – wie würdet ihr denn das deutsche Publikum beschreiben?
Creep: Besser als das schwedische, aber nicht so extrem wie das russische. Die Russen sind verrückt, die haben während unseres Konzerts gekämpft, gefickt und geheult. Da kann auch Deutschland nicht mithalten. (lacht) Die Schweden sind das komplette Gegenteil davon: sehr steif und langweilig. Die stehen 20 Meter von der Bühne entfernt in einem Halbkreis, die Arme vor der Brust verschränkt und bewegen sich nicht.
Deus: Und wenn sie sich aus Versehen mal bewegen, gucken sie sich erschrocken um: “Oh, hat mich gerade jemand gesehen? Sorry, ab jetzt werd ich mich nicht mehr bewegen.” (lacht) Schweden können sehr hingebungsvolle Fans sein, wenn sie eine Band wirklich mögen. Aber für kleine Bands wie uns sind sie nicht sehr ermutigend, weil eben niemand rumüpft, tanzt und mitsingt.
“Schweden sind sehr steif und langweilig.”
Euer neues Album, das am 8. Mai erschienen ist, heißt “Cheap Italian Wine” – was hat es mit dem italienischen Billigwein auf sich?
Creep: Das war ein ziemliches Durcheinander. Ich saß zu Hause, habe mir Texte ausgedacht und billigen, italienischen Wein getrunken. Unser Tourmanager Felix kam online bei Skype und ich schrieb ihm nur: “Cheap italian wine”. Und er so: “Ach, das ist der Name vom neuen Album?” Und ich dachte mir, hey, warum eigentlich nicht? (lacht) Außerdem habe ich mal eine Dokumentation über den Schriftsteller Bukowski gesehen und da sagt er sowas von wegen “Ah, ich sollte eigentlich was anderes sagen, aber ich schmeiße alles durcheinander, ich bin total betrunken vom billigen, italienischen Wein. Die versuchen, mich zu vergiften!”
Deus: Ich finde, es ist ein ganz guter Name. Besser als “Album zwei” oder sowas.
Gab es denn hohe Erwartungen an euch, was das neue Album betrifft?
Deus: Absolut. Es ist kein Zuckerschlecken, wenn man so unter Druck steht. Und der Druck kam von überall, vor allem natürlich von den Leuten mit denen wir arbeiten und die wollten, dass etwas passiert. Unser Soundtechniker hat uns zwei Wochen im Studio klargemacht und somit hatten wir genug Zeit zum Aufnehmen. Unser Label ist eher ein Kindergarten als eine Plattenfirma. Wir haben kein Geld bekommen, um ein Studio mieten zu können und wurden höchstens mal für einen Tag reingelassen, als jemand anderes abgesagt hatte. Unser Soundtechniker hat uns dann aber Gott sei Dank etwas besseres besorgt und die Dinge haben ihren Lauf genommen…
“Unser Label ist eher ein Kindergarten als eine Plattenfirma.”
Wie sieht euer Leben aus, wenn ihr gerade im Studio seid?
Creep: Cheap italian wine! (lacht) Und viele schlechte Witze.
Was ist denn jetzt neu am neuen Album?
Deus: Wir haben diesmal vernünftige Gitarren aufgenommen. Das erste Album haben wir so ziemlich komplett in Creeps Wohnung eingespielt…
Creep: Ich habe so ein 100-Euro-Teil, damit kann man Soundeffekte machen und sowas. Aber diesmal haben wir tatsächlich mit richtigem Equipment aufgenommen.
Deus: Und wir waren die ganze Zeit in einem richtigen, professionellen Studio. Beim letzten Mal haben wir lediglich die Vocals da aufgenommen. Diesmal ist es ein richtiges Studioalbum.
Wie sieht es aus mit den Live-Shows?
Deus: Wir sind jetzt um einiges erfahrener, es gibt hoffentlich weniger Pausen und mehr Songs. Und weniger Verspieler.
Creep: Wir haben keinen Proberaum und bevor wir auf Tour gehen, treffen wir uns ein paar mal um ein bisschen zu üben. Aber hauptsächlich üben wir auf Tour. Und am Ende spielen wir dann so gut wie Metallica! (lacht) Ich meine, wir haben auf dieser Tour schon 4 Shows gespielt, das heißt heute abend könnte es recht gut werden.
Wenn ihr als etwas anderes wiedergeboren werden könntet, was würde das sein?
Creep: Eine Zecke. Weißt du, diese Viecher die sich an einem festbeißen, das Blut aussaugen und immer größer werden. Das sind meine Lieblingstiere! (lacht) Nein, nicht wirklich. Aber eine Zecke zu sein fände ich schon ganz cool.
Deus: Ich würde gerne als etwas ganz anderes wiedergeboren werden, als was ich jetzt bin. Irgendwas, das keine vier Beine hat.
Creep: (lacht) Du hast vier Beine?
Deus: Ich meine vier Gliedmaßen! Zum Beispiel ein Fisch, eine Schlange, sowas in der Art. Ich will zum Beispiel kein Schwein sein, oder etwas anderes, was die Menschen essen. Ich will ein Tier sein, das in Ruhe gelassen wird.
Jetzt zur letzten Frage, gegen was würdet ihr gerne einmal eine Demonstration starten?
Deus: Ich würde sagen, gegen politische Korrektheit. Wir hatten schon öfters Probleme mit Leuten, die zu politisch korrekt waren und unsere Art von Humor nicht verstanden haben. Sie haben unsere Show in Berlin abgesagt, wegen unseres “Death By Penis”-Logos. Angeblich würden wir Sexismus, gewaltvollen Sex und Vergewaltigung unterstützen. Die Promoter haben abgestimmt und entschieden, dass wir nicht auftreten dürfen. Das war natürlich eine große Enttäuschung für unsere Berliner Fans, aber es war nicht unsere Entscheidung und wir können nichts daran ändern. Es war ja nicht einmal eine konservative Entscheidung, die Leute waren alle über-korrekt und extrem links. Und die denken natürlich, wir wären Sexisten, nur weil sie ein paar Bilder von unserem Logo gesehen haben. Und dann haben sie versucht, uns per E-Mail zu belehren, dass wir uns doch mal mehr Gedanken über unser Logo machen sollten.
“Ein Dildo ist eine interessante Waffe, um jemanden zu töten.”
Was ist denn der wahre Hintergrund von “Death By Penis”?
Deus: Das war eher ein Witz.
Creep: Es gibt eine Band namens The Dwarves, die haben genau dasselbe Logo. Wir hatten nicht die Absicht, es zu kopieren, das war eher ein Zufall. Die hatten Penisse drauf, wir haben Dildos. Im Film “Lock, Stock & Two Smoking Barrels” (deutsch: “Bube, Dame, König, grAs”) gibt es eine Szene, wo jemand von einem Dildo totgeprügelt wird…. Von einem Dildo totgeprügelt werden – das ist doch auf eine Art und Weise echt lustig. Ein Dildo ist eine interessante Waffe, um jemanden zu töten. Im frühen 19. Jahrhundert haben die Polizisten in Schweden getrocknete Pferdepenisse als Schlagstöcke verwendet – perfekt, um Menschen zu schlagen! (lacht) Ach, wir haben doch niemanden angegriffen und die sollten das alle nicht zu ernst nehmen.
Deus: Ich würde dafür demonstrieren, auch mal zu lachen und nicht alles bitterernst zu nehmen!
Danke für das Interview!
Das Konzert ist leider nicht so gut besucht wie erhofft – vielleicht zwanzig Menschen haben sich im Keller der Werkstatt versammelt. Vor allem der Song “Aeppeltysken” mit dem deutschen Text “Wurst und Käse” scheint begehrt und in Zwischenrufen gewünscht. “Wir dürfen das eigentlich nicht mehr spielen, weil das Wort ‘Wurst’ im Schwedischen so klingt wie Sodomie.” erklärt Elvis Creep. “Aber okay, wenn ihr’s niemandem verratet!”
Text: Ines Montani
Foto: Ines Montani

















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