Frank Turner im Interview
Frank Turner ist jung, kommt aus London und möchte, falls das mit der Musik irgendwann nicht mehr klappt, Geschichts-Lehrer werden. Außerdem war er früher ein Arschloch, sagt “Nein” zu Staatlicher Überwachung und, verdammte Scheiße: er flucht ne Menge. Iron Maiden öffneten ihm das Tor zur wunderbaren Welt der Musik und seitdem erfreut er seine Fans regelmäßig mit Meisterleistungen wie “I Knew Prufrock Before He Got Famous” oder “The Ballad Of Me And My Friends”. Und jetzt alle zusammen: “Danke, Iron Maiden!”
Freust du dich auf heute Abend?
Ja, definitiv. Ich war bisher nur einmal in Deutschland und das war als ich von Amsterdam in die Schweiz gefahren bin – Da hab ich in einem Hotel ein bisschen außerhalb von Köln gewohnt, also bin ich jetzt wirklich aufgeregt hier spielen zu dürfen.
Wie ist das Tour-Leben für dich?
Hm, wie ist es…. als wärst du ein Pirat! Ja, das trifft es wohl am besten. Du hast zwar kein Boot, aber einen Van und fährst von Stadt zu Stadt – jeden Tag woanders. Du kommst an, verwüstest alles und fährst weiter [lacht].
Aber du trägst keine Augenklappe, oder?
Nee, eher nicht! Aber es wäre cool einen Papagei zu haben; du weißt schon, einen der auf deiner Schulter sitzt und sich mit dir unterhält.
Aber wäre das für die Akustik deiner Songs nicht eher hinderlich?
Aber stell dir vor du hättest einen Papagei, der die Backing Vocals singt? Auf der Bühne wären es dann: Die Gitarre, deine Stimme und der Papagei der die Harmonien singt! Du brauchst keine Band mehr!
Was ist denn eigentlich der Unterschied zwischen einer Tour mit Band und einer Solo-Tour – Du kennst ja beide Seiten.
Nunja, in letzter Zeit spiele ich mit der Band auch in UK, also könnte man sagen, dass ich das Beste aus beiden Welten habe. Es gibt gute Dinge wenn du in einer Band spielst, aber genauso toll kann es sein als Solo Artist aufzutreten. Momentan liebe ich die Unabhängigkeit, ich bin mein eigener Boss und brauche mich mit niemandem herumzuärgern. Aber ich glaube manchmal kann es schon etwas einsam sein, wenn du nur noch auf Tour bist. Als meine Band sich aufgelöst hat, habe ich 18 Monate damit verbracht in Zügen durch ganz Großbrittannien zu touren – Nur mit der Tasche auf dem Rücken und der Gitarre im Arm. Nur am Ende war da keinerlei Romantik mehr, sondern einfach das beschissene Gefühl niemals anzukommen. Jetzt ist es cool – Ich reise mit Polar Bear Club und Gaslight Anthem und es fühlt sich an als wäre ich on Tour mit einer Band – ohne die Band!
“everyone should be free to make their own decisions”
Wie war die Tour denn bisher? Ihr habt ja schon eine Menge Gigs in UK hinter euch.
Wir hatten eine geile Zeit, immer Spaß. Vor-vorgestern haben wir zum Beispiel im Shepherds Bush Empire in London gespielt – 2000 Leute! Der größte Gig unserer Tour, das war schon cool. Naja, momentan ist es sehr stressig für mich, es passiert so viel um mich und meine Musik. Aufnahmen, verrückte Radio-Sachen und natürlich macht es Spaß, aber fast jeden Tag den kompletten Nachmittag damit zu verbringen Interviews zu geben und sich parallel um meine Musik, meine Organisation und alles zu kümmern schlaucht auf die Dauer schon.
Du freust dich also über jede Minute Freizeit?
Ich denke auf der Europa Tour wird es besser: Erstens, weil ich an Orten spiele wo ich noch nie zuvor war und die mich interessieren. Zudem habe ich lange Europäische Geschichte an der London School of Economics studiert und freue mich ein bisschen herumzukommen. Und heute zum Beispiel habe ich nur ein Interview und kann mich den restlichen Nachmittag auf meinen Auftritt vorbereiten.
Eben hast du verrückte “Radio-Sachen” erwähnt: Was genau bedeuten Radio und Fernsehen für dich?
Hm, das lustige an der Sache ist, dass ich überhaupt kein Radio höre, geschweige denn eins besitze – genauso wenig wie einen Fernseher. Vermissen oder gar brauchen tu ich es auch nicht, denn es gibt ja das alles vereinende Internet [lacht].
Also hast du auch noch nie eins deiner Interviews im Radio angehört?
Um ehrlich zu sein mag ich es sowieso nicht meine eigenen Interviews zu lesen oder zu hören. Das klingt doch alles sehr seltsam was ich verfasse und ich will mir nur noch an den Kopf fassen und im Erdboden versinken [lacht]. Aber gestern ist mir was komisches passiert: Ich war Klamotten kaufen und während ich durch den Laden schlenderte kam plötzlich mein Song im Radio – Zuerst war ich ein bisschen verlegen, aber es wusste eh keiner, dass es etwas mit mir zutun hatte also hab ich mir nur gedacht „Fuck it!“ und mit den Fingern geschnipst. Außerdem: so schlecht hat’s echt nicht geklungen [lacht].
Du hättest die Chance nutzen müssen um andere Kunden auf dich aufmerksam zu machen: „Who’s that song by?“
„It’s that Frank Turner guy, he’s fucking amazing!“ Nein, aber mal im Ernst, das hab ich bei einer Show gemacht, so vor zwei Jahren vielleicht. Ich hab getrunken, stand in der Menge und dann lief dieser eine Typ an mir vorbei und hatte ein Black Flag Tattoo, genau wie ich, also hab ich gesagt „Cooles Tattoo“ und wir kamen ins Gespräch. Er fragte dann ob ich irgendwas über diesen Frank Turner wüsste, denn er ist wegen ihm hier, hätte aber noch nix von ihm gehört. Daraufhin ich: „Ja, ist ganz cool. Hat ein paar gute Songs, ein paar nicht so gute… So La-la eben“. Dann haben wir uns fast 40 Minuten unterhalten. Irgendwann bin ich gegangen und als ich dann auf die Bühne kam hab ich ihn nur sagen hören: „Oh fucking hell!“.
Kannst du dich an irgendwelche einschlägigen Türsteher-Ereignisse erinnern?
Hm, bei einem Gig hatten wir (Anm. d. Red.: Million Dead) ein Stand-Off zwischen Publikum und Bühne. Das bedeutet dass sich eine ganze Reihe von Türstehern zwischen der Bühne und unseren Fans platziert hatte und willkürlich auf Leute einprügelten. Wir haben das Konzert mehrmals gestoppt und gesagt, dass sie es doch bitte unterlassen sollen unsere Fans zu schlagen. Es endete damit, dass Band und Publikum gegen die Kerle gekämpft haben und plötzlich nur noch Chaos herrschte. Tja, dann sind sie gegangen und wir konnten das Konzert endlich zu Ende spielen: Ganz ohne „Wachposten“ und rat mal: Verletzt wurde niemand und alles war ok. Du weißt was ich meine? Es war echt nur „fuck you, guys“.
Was glaubst du ist die eine Backstage-Regel die jeder befolgen sollte?
Es ist mehr so was wie eine Tour-Regel im Allgemeinen. Du wirst ziemlich gut darin abzuschätzen mit dem du gerade Spaß machen kannst und mit wem nicht. Wenn du lange auf Tour bist ist es wichtig vorsichtig zu sein, wenn es darum geht Späßchen zu treiben, denn ansonsten kann die Situation ziemlich schnell eskalieren und man hört nur noch Gebrülle von wegen: „I fucking hate all of you people.“ – und dann verlassen sie die Band. Mit jeder neuen Person lernst du auch ihre Körpersprache zu verstehen: Wann kann ich mit dir rumalbern und wann sollte ich lieber auf Abstand gehen. [lacht] Hm, ich glaube zu versuchen niemandes Bier zu trinken ist auch eine Regel.
Wenn du eine Person treffen könntest, egal wer – ob erfunden oder real: Wer würde es sein?
Wow, das ist eine gute Frage. Oh damn, Ich würde gerne Bruce Springsteen treffen. Bruce ist einer meiner… Helden. Ich hab eine Liste an Dingen die ich ihn gerne fragen würde – und seine Musik ist einfach nur großartig. Ja, ich würde echt gerne mit Bruce Springsteen rumhängen. Bier trinken, abschalten und… das wäre super.
Wenn du ihm nun eine Frage stellen dürftest, welche wäre es?
Das kann ich nicht beantworten… Oh Gott, ich würde wahrscheinlich mogeln und fragen: „Können wir zusammen abhängen?“ das wäre ja schließlich eine Frage! [lacht] Oder „Können wir Freunde sein?“ ja, das ist meine Frage: „Können wir Freunde sein?“
Und was würdest du an einem Tag mit Bruce alles machen?
Wir würden auf die Kirmes gehen, Zuckerwatte essen, Achterbahn fahren… danach ins Kino und… wer weiß was nach dem Essen noch alles passiert. [lacht]
Du coverst auch seine Songs. Wie wichtig sind Covers für dich?`
Ich finde es sehr wichtig auch andere Lieder zu spielen und nicht nur meine eigenen. Ich finde Lieder müssen herumgereicht werden, getauscht, neu interpretiert und es sollte nicht jeder nur stumpf auf seinen eigenen Liedern sitzen bleiben. Ich liebe es Bruce Springsteen Lieder zu spielen.
Du selbst schreibst sehr persönliche Lieder. Wie würdest du deinen Schreib-Stil beschreiben und was empfiehlst du Leuten die sagen: „Hey, ich will so schreiben wie Frank Turner!“
Ich hatte niemals Unterricht im Songwriting und ich mach das jetzt schon eine ganze Weile… daher denke ich, dass es einfach Zeit braucht – und viel viel Übung. Ich werde oft gefragt woher meine Songs kommen, aber ich hab es bisher nie fertig gebracht eine passende Antwort zu finden: Meine Lieder passieren einfach. Fast immer, wenn ich gerade ein Lied fertig gestellt habe fühle ich mich wie ein Schizophrener der aufwacht und eín, in Blut gehülltes, Messer in der Hand hält und sich denkt: „Wie ist das denn passiert?“. Und die Leute fragen mich: „Wo kommt das her? Woher hattest du die Idee für das?“ und ich kann darauf nur antworten: „I don’t have a fucking clue.“
Apropos Fragen die schon zu häufig gestellt wurden: Gibt es eine Frage die dir noch niemand gestellt hat, aber die du unbedingt mal gefragt werden möchtest? Und was wäre die Antwort?
Lass mich darüber nachdenken… Kennst du T.S. Elliot? Er ist ein Amerikanischer Dichter. Ich vermute die Frage wäre: „Wie viel hast du von T.S. Elliot geklaut“ und die Antwort wäre: „verdammt viel“. Ich mein, eher auf stille, heimliche Art und Weise. Du weißt was sie sagen: “Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen.” – Also ich klaue!
Hast du jemals etwas Materielles geklaut?
Ja, ich hab im ziemlich viel geklaut als ich jünger war – Ich war ein richtiges Arschloch. Aber, auf der anderen Seite hab ich auch gesoffen, mich geprügelt und ne Menge Speed genommen als ich ungefähr 15 war. Tja.
Was hältst du eigentlich von Mindestalter für Alkohol und Rauchverbot?
Politisch bin ich liberal und denke, dass jeder die Chance haben sollte zu tun was er will und all so was. Aber um es mal klar auszudrücken: Das Rauchverbot nervt mich. Wenn die Regierung sich wirklich in so was einmischen will, dann soll sie eine Gebühr für alle Raucher einführen oder so was, aber nicht einfach sagen: „Ihr könnt nicht mehr rauchen“. Weißt du was? Fuck you! Wenn ich mich durchs Rauchen töten will, und ich bin mir sicher, dass es passieren wird, dann ist das verdammt noch mal meine eigene scheiß Angelegenheit. Und wenn irgendwer denkt ihn würde das stören, dann sollen die sich einfach verpissen. Mich macht das echt wütend. Es ist das gleiche mit dem Mindestalter – das sollte eine Entscheidung zwischen den Eltern und ihren Kindern sein und am Ende des Tages, so ist es nun mal wenn man Entscheidungen trifft, müssen sie eben mit den Konsequenzen und dem Nachspiel ihrer Entscheidung leben. Aber sie sollten das Recht haben diese Entscheidung fällen zu dürfen.
Jetzt mal ein ganz anderes Thema. Kennst du irgendwelche richtig schlechten Witze?
Hunderte und Tausende davon. Ich liebe Witze.
Möchtest du einen erzählen?
Du willst einen schlechten? Ich versuche grade an irgendwelche zu denken, die auch übersetzt noch funktionieren, aber… ok, hier ist ein richtig schlechter: „Letztens bin ich von einer echt hohen Leite gefallen. Aber alles ist ok, ich war erst auf der ersten Stufe.“ Oder: „Neulich hab ich eine Langzeit-Beziehung beendet. Aber es ist alles klar– war ja schließlich nicht meine.“ Um ehrlich zu sein abboniere ich Witze-Seiten, meine Band hasst mich dafür weil ich jeden Tag mindestens fünf neue Witze parat habe.
Welche Sportart findest du echt überbewertet und total Sinnlos?
Fußball. Weil es einfach Fußball ist. Oder Curling. Gott, das ist so dumm! Jede olympische Sportart hat wenigstens irgendwas mit dem zu tun, was die Höhlenmenschen früher getan haben, oder, na ja, du weißt schon: Laufen, Springen, Werfen… Aber Curling? What the fuck? Ich kann mir wirklich keinen Höhlenmensch vorstellen, der auf einer Eisfläche irgendwelche Dinger rumgeschoben hat. (Außerdem sieht es echt lächerlich aus).
Wer ist dein Lieblingsauthor?
Wahrscheinlich ist das John Steinbeck. Er ist ein Amerikanischer Autor und hat „Von Mäusen und Menschen“ oder „Jenseits von Eden“ geschrieben. Außerdem liebe ich Englische Dichtung. Philipp Larkin zum Beispiel. Er wird ungefähr immer als bester und beliebtester englischer Dichter gewählt und, um ehrlich zu sein, er ist wirklich sehr sehr englisch. Seine Gedichte sind traurig und witzig und er ist dafür bekannt, dass er wirklich jeden Menschen in seinem Leben hasste, aber schreibt dann so wunderschöne Gedichte.
Wann bist du zum ersten Mal mit Musik und Kunst in Berührung gekommen?
Als ich 10 war hab ich mich in Iron Maiden verliebt. Das war der Anfang von allem und sie sind immer noch eine meiner Lieblingsbands. „They fucking rule.“ Seitdem hab ich angefangen in Bands zu spielen und wie man sieht hab ich die Nase immer noch nicht voll davon.
Wo siehst du dich in 10 bis 15 Jahren?
Ich würde gerne immer noch von Musik leben können, aber wer weiß ob ich das kann. Weißt du, Musik machen ist unbeständig. Es ist einfacher, wenn man jung ist. Klar wäre ich gerne Neil Young und würde mit 75 noch voll im Geschäft stehen, aber ob mit das vergönnt ist, bleibt wohl noch offen. Falls es nicht klappt, wäre ich gerne Geschichts-Lehrer.
Was haben deine Eltern gesagt als du ihnen verkündet hast, dass du dienen Lebensunterhalt mit Musik verdienen willst?
Meine Eltern haben die Idee, dass ich Musiker bin, für eine sehr lange zeit gehasst und ich glaube sie haben sich erst vor kurzem damit abfinden können. Wenn man bedenkt wie lange ich das ganze schon mache, herrschte wohl jahrelang eine gewisse Spannung zwischen uns.
Und deine Freunde? Hast du durch deinen Beruf viele dazu gewonnen?
Natürlich, denn, die eine Sache über mein Leben ist, dass meine Leidenschaft, mein Job und mein soziales Umfeld im Prinzip dieselbe Sache beinhaltet und wahrscheinlich macht mich das zu einer entsetzlich langweiligen Person. Ich mache Musik und ich hänge die ganze Zeit mit Musikern rum: ob bei der Arbeit oder in meiner Freizeit. Mein ganzes Leben dreht sich um die Musik, ich kenne die meisten meine Freunde durch die Musik Industrie. Und diese Freunde sind auf der ganzen Welt verteilt.
Wie schaffst du es zu allen Kontakt zu halten?
Es ist etwas so wichtiges, aber gleichzeitig so schwer. Das Internet ist eine große Hilfe aber trotzdem sind Freundschaften immer mit viel Arbeit verbunden, diese Freundschaften auch aufrecht zu erhalten. Wie ich eben schon sagte, sind viele meiner Freunde auch selbst auf Tour und mit ihnen befreundet zu sein heißt eben dass man sich nicht zwingend jeden Tag sieht, sondern vielleicht nur einmal im Jahr.
Was war die längste Trennung zwischen dir und jemandem der dir viel bedeutet?
Mein wahrscheinlich bester Freund ist ein Typ namens Jamie und ich sehe ich ihn vielleicht einmal in 18 Monaten. Früher waren wir eigentlich immer zusammen, denn er war der Tourmanager von Million Dead und als ich angefangen habe Solo zu Touren war er auch immer dabei und wir standen uns echt nahe. Er ging nach Amerika um mit einer Band zu arbeiten und tourte fast 3 Jahre, hat geheiratet und lebt jetzt in L.A. Ich habe im September eine zeitlang frei und werde ihn besuchen fahren.
Gibt es einen Ort an den du gerne zurück würdest?
Ich würde gerne zurück nach Nord-Kalifornien – das war einer der wunderschönsten und atemberaubensten Orte an denen ich jemals war. Ich hab mich gefühlt als ob das der Ort wäre an dem ich gerne alt werden und sterben würde.
Hast du Angst davor alt zu werden?
Nein. Ich sehe keinen Sinn darin, vor etwas Angst zu haben was sowieso passieren wird.
Also planst du in den nächsten 40 Jahren keinerlei chirurgischen Eingriffe um deine Jungend wiederzubeleben?
Nein, ich kann mir wirklich nicht vorstellen, wie ich mich unter Messer lege. Ich liebe es Bilder von Johnny Cash zu sehen, auf denen er alt war. Das ist einfach verdammt cool. So will ich auch mal sein. Ein alter, schrumpliger, grauhaariger Mann der immer noch rockt. Fände ich gut!
Wo wärst du jetzt lieber?
Lieber als hier in Köln meinst du? Es gibt so viele Orte an denen ich noch nie war, also bin ich ziemlich glücklich hier zu sein. Keine Ahnung, ich wüsste wirklich nicht wo ich hinsollte; Naja, außer London. Ich vermisse London immer wenn ich auf reisen bin – Es ist einfach die tollste Stadt der Welt! Ich hatte auch ne tolle Zeit in L.A., Paris und Moskau, aber… für mich ist London einfach die Nummer eins!
Hast du einen Lieblingsplatz in London?
Ich hatte mal einen. Da gab es diese Bar in Nord London, Nambucca, die war so was wie mein zweites Zuhause – aber sie ist um die Weihnachtszeit abgebrannt… und mein Herz ist zersprungen. Fünfzehn Leute die ich kenne haben ihr zuhause verloren – alles was sie hatten. Zum Glück wurde niemand verletzt, aber als ich im Januar nach London zurückkehrte fühlte es sich so falsch an. Jedes mal, wenn ich in dieser riesigen Stadt weggehe, früher oder später ende ich am Nambucca – Was auch immer du tust, alle Straßen führen dich dorthin.
Wie bewahrst du deine Erinnerungen an Zeiten wie diese auf? Bist du jemand der Bilder macht oder Tagebuch führt?
Ich vertraue da mehr oder weniger auf mein Gedächtnis. Früher hab ich mal Tagebuch geführt aber irgendwie bin ich damit auch nicht klar gekommen: Das einzige was ich behalte ist eine Liste von allen Shows die ich je gespielt habe und ich verspreche dir: Zeig mir die Liste und ich kann dir eine ziemlich genaue Übersicht über die letzten 5 Jahre meines Lebens geben. Außerdem pisst es mich richtig an, wenn ich einen Gig spiele und ich anstatt Gesichtern nur Handys oder Kameras vor mir sehe. What the fuck? Wie kann man etwas genießen, wenn man die ganze Zeit seinen Arm ausgestreckt halten muss? Ich finde die Leute sollten sich an besondere Dinge erinnern weil sie besonders waren. Und wenn du dich nicht an etwas erinnerst, war es das wahrscheinlich eh nicht wert. Scheiße, ich mein, ich liebe es genauso wie alle anderen mich hemmungslos zu besaufen, aber wenn du dich am nächsten Tag an nichts mehr erinnern kannst, dann, verdammt noch mal, musst du weniger trinken.
“i’d tell him to get his fucking shit together and stop being an arsehole”
Gegen was würdest du gerne eine große Demonstration starten?
Also, die Englische Regierung ist ziemlich hinterher ID-Cards für alle Bürger einzuführen und ich finde das abscheulich und furchtbar und scheiße und ich kann nicht glauben, dass sie das wirklich tun wollen. In England gibt es eine Gruppe namens „NO TO ID“ und verdammt noch mal ich werde sie bei meiner nächsten UK Tour mitnehmen und bei jedem Gig Flyer und Aufkleber verteilen.
Ich finde die Regierung wichtig, aber genauso wichtig ist es gegen sie zu kämpfen! Der perfekte Zustand wäre eine kleine Regierung und Leute die eben dieser widersprechen – Genau das ist nötig um die richtige Balance zu finden. Ich bin kein Anarchist, aber man sollte das rechte Ausmaß finden können. Und, scheiße Mann, eine erschreckend große Anzahl von Leuten akzeptieren einfach wie viel Macht die Regierung über sie hat! Wie gesagt, ich finde nicht, dass es keine Gesetze oder keine Regierung geben sollte, aber jedes einzelne verdammte mal, wenn sie versuchen dir eins deiner Rechte zu nehmen musst du es bekämpfen! Es macht mich so traurig und wütend zugleich, dass die Leute ihre Freiheit einfach so hergeben, ohne nur ein Wort des Widerstandes – und ganz besonders weil England, historisch gesehen, das Land der Freiheit war. Das Land der großen Ideen – all die Ideen des Amerikanischen Traumes kommen aus England und jetzt scheinen wir eine Bevölkerung zu haben, die sich nicht darum kümmert, dass ihre e-Mails gelesen, und ihre Daten auf scheiß Regierungs-Rechnern gespeichert werden. Leute, kämpft doch endlich dagegen an.
Würdest du jemals in Erwägung ziehen einer Partei beizutreten um deine Interessen auf anderer Ebene zu vertreten?
Nein, ich glaube ich bin einfach kein Partei-Typ. Vielleicht lieg ich ja auch falsch, aber ich fluche zu viel, habe viel zu viele Tattoos und habe verdammt illegale Dinge vor verdammt vielen Leuten genommen.
Wem würdest du gerne mal einen guten Ratschlag geben?
Gute Frage und auch wenn es vielleicht komisch klingen mag, ist die eine Person Pete Doherty. Er ist der Freund eines Freundes von mir und ich glaube er ist ein toller Künstler, bei dem einfach nur verdammt viel falsch gelaufen ist. Er kann nicht wirklich singen, oder ist ein toller Gitarrist aber er schreibt gute Texte und ich glaube er ist momentan einfach nur ein scheiß Idiot. Ich hab keine Ahnung was ich sagen würde, aber vielleicht würde ich einfach nur zuschlagen und ihm sagen, dass er sein ganzes scheiß Leben mal auf die Rolle kriegen und aufhören soll, so ein riesen großes Arschloch zu sein.
Vielen vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast.
Text: Franziska Reichwein
Video: Franziska Reichwein

















klammerauf.org / the world is ours // Frank Turner - The Road schrieb: [...] the Germans out there, read the interview Franzi did with him earlier this year. It’s really good!) 20.08.2009 at 10:03 [...]