Friendly Fires im Interview
Ed Macfarlane trägt ein geblümtes Hemd und plüschige Hausschuhe. Er wirkt relaxed, das Konzert seiner Band Friendly Fires im Berliner Bang Bang Club ist beinahe ausverkauft und jeder möchte mit ihnen sprechen. “Wir waren in einem super Restaurant hier in der Nähe und es gab Ente mit Balsamico-Essig!” erzählt er, während sich sein Bandkollege Jack Savidge zu uns auf die Römerliege mit rotem Samtbezug setzt. Der Laptop liegt auf seinem Schoß und er loggt sich erst einmal bei Facebook ein. Das Interview kann beginnen. Wir gaben den beiden ein paar Schlagwörter und ließen sie darüber philosophieren.
Erste Platte.
Ed: “Thriller”, Michael Jackson.
Jack: Bei mir war’s “Dangerous” von Michael Jackson.
Habt ihr vom Michael Jackson Comeback mitbekommen?
Ed: Ja, verrückt! Zehn Konzerte in der O2-Arena!
Jack: Ich frage mich, wie das so wird. Ich meine, sicher wird es eine riesige Produktion, aber wenn man ihn so sieht – er kann sich ja noch nicht einmal vernünftig bewegen. Einmal ist er bei den Grammys aufgetreten, mit NSYNC oder so, und das war echt schlecht. Er konnte nicht mal richtig sprechen.
Würdet ihr trotzdem hingehen?
Ed: Naja, also ich habe schon Prince verpasst, da werde ich sicher auch Michael Jackson verpassen.
Jack: Ich glaube, es würde mich eher deprimieren… Es wäre sicher eine coole Show, aber wahrscheinlich wäre Michael Jackson selbst nur bei der Hälfte davon zu sehen. Hast du jemals Sly And The Family Stone gesehen? Das war vor circa drei Jahren und Sly Stone war während der ganzen Show vielleicht fünfzehn Minuten auf der Bühne. Die Band hat ein bisschen gespielt, dann hieß es “Yeah, da kommt er!” und er kommt auf die Bühne, klimpert ein bisschen auf dem Keyboard rum und das war’s.
Schuhe.
Ed: Schlappen. Das sind die bequemsten.
Jack: Ich habe neue Schuhe! Ich mag’s lieber elegant.
Sich selbst googlen.
Ed: Ich google mich nicht selbst.
Jack: Doch, tust du wohl!
Ed: Nein, tu ich nicht. Ich google andere Leute, wenn ich sie stalken möchte, aber nicht mich selbst. Nicht mal meine Band. Ich lese keine Interviews oder Artikel über die Band und gucke mir auch keine Videos von uns auf YouTube an.
Der erste Kuss.
Ed: Hmm… peinlich! Ich war ein ziemlich schlechter Küsser. Wenn ich daran zurückdenke, vielleicht war ich gar nicht so schlecht, aber das Mädchen, das ich geküsst habe, wollte mich danach nie wieder sehen. Ich war zwölf und wir haben uns so gut wie gar nicht unterhalten, es war eher so ein gezwungener Kuss. Einfach Augen zu und durch.
Jack: Ich war siebzehn und total besoffen. Es war nicht wirklich gut und schnell wieder vorbei.
Nintendo Wii Fit.
Jack: Um ehrlich zu sein, ich habe es noch nie ausprobiert.
Euer Song “On Board” war ja die Musik der Wii-Fit-Werbung. Könnt ihr euch vorstellen, wie Leute dazu Fitnessübungen machen?
Ed: Ja, warum nicht? Meine Freundin hat mir erzählt, dass sie manchmal zu unserer CD Sport macht (lacht). Als die Werbung rauskam, wollten wir unbedingt eine Wii-Konsole haben, aber Nintendo hat uns nie eine geschickt – obwohl wir danach gefragt hatten! Wir sind unserem Manager damit ewig lang auf die Nerven gegangen, bis er uns schließlich aus seiner eigenen Tasche eine Konsole gekauft hat. Aber wir haben dann vergessen, sie mit auf Tour zu nehmen.
Jack: Aber es wäre eh nicht so einfach gewesen, in einem fahrenden Bus Konsolenspiele zu spielen.
Ed: Und wenn, dann ist die Playstation 3 besser. Oder die XBOX 360.
Gute Vorsätze.
Jack: Ich wäre gern aktiver, aber das Leben auf Tour lässt einem nicht viel Zeit und Möglichkeiten dazu. Deshalb ist da noch nicht wirklich viel passiert. Im Januar hab ich ein bisschen was gemacht, aber sobald man in diesen Bus steigt, ist alles wieder vorbei.
Ed: Mein Vorsatz war, weniger zu trinken. Aber das hat auch nicht wirklich geklappt. Es ist schwer, nicht in diesen Lebensstil zurückzufallen, wenn man auf Tour ist. Denn auf Tour ist man viel gelangweilt und wenn man gelangweilt ist, neigt man dazu, sich einfach zu betrinken.
“Wenn man gelangweilt ist, neigt man dazu, sich einfach zu betrinken.”
DJ-Sets.
Jack: Ja, ich lege manchmal ein bisschen auf.
Ed: Jack ist unser DJ, denn ich kann überhaupt nicht auflegen. Ich habe zwar eine Menge Platten, aber ich höre mir lieber eine nach der anderen an.
Jack: Ich lege Hard Techno auf. Hard Techno.
Ed: Er fegt immer die Tanzflächen leer, denn er legt überall dieses Minimal-Techno-Zeug auf, auch vor dem normalen Indie-Publikum. Und die Indie-Kids können damit meist nicht so viel anfangen.
Jack: Ach, das stimmt doch nicht, meistens klappt das echt gut. Ich finde, sehr viele Bands machen DJ-Sets, aber die meisten sind nicht wirklich gut.
Ed: Edwin von den Foals ist gut! Jack würde ich mir auch angucken, aber eben bei einer Electro-Techno-Party. Das Problem bei einem Band-DJ-Set ist immer, dass die Leute erwarten, dass die Bands Musik auflegt, die so ähnlich klingt wie ihre eigene. Bei uns wäre das zum Beispiel Foals oder Metronomy oder sowas. Dabei gibt es bei unseren DJ-Sets eher Discomusik oder Techno.
Next Big Thing.
Ed: Die Sachen, die ich gut finde, werden normalerweise nie groß. (lacht) Was ist dein Next Big Thing, Jack?
Jack: Oh, ich weiß nicht. Seit wir mit Friendly Fires angefangen haben, war da immer ein gewisser Hype. Das ist jetzt zweieinhalb Jahre her und jetzt ist es endlich passiert, dass wir einigermaßen… “big” geworden sind.
Ed: Wir sind den ganz langen Weg gegangen, langsam nach oben geklettert und nun sind wir an einem Punkt, wo uns die Leute wahrnehmen. Das ist natürlich ein tolles Gefühl. In England spielen wir mittlerweile in großen Hallen und hoffentlich können wir auch im Rest von Europa und Amerika daran anknüpfen.
Jack: Wenn ich mir eine Band aussuchen müsste, die ein Next Big Thing wird, dann wären es The Big Pink. Die sind recht gut. Ich mag nur nicht das ganze Drumherum. Es ist die Band vom Typen, der das Label Merok betreibt und er ist natürlich dicke mit den Klaxons, Peaches Geldof und dieser ganzen Szene. Aber die Musik ist gut.
“Je größer eine Band wird, desto mehr verrückte Fans haben sie.”
Fans.
Ed: Das Interview hier wird auf Deutsch veröffentlicht, oder? Dann kann ich die Story erzählen. Grundsätzlich haben wir eine sehr schöne Mischung an Fans. Viele Mädels, was eine recht gute Sache ist, denn die bringen auch ihre Typen mit. Wir haben keine Groupies, aber hin und wieder einen etwas unheimlichen Fan. Da gibt es diesen einen Typen, ich weiß nicht mal seinen Namen, der immer da ist, wenn wir irgendwo im Norden von England spielen.
Jack: Zum ersten Mal habe ich ihn in Norwich gesehen. Oder nein, das war Nottingham!
Ed: Stimmt, Nottingham, York, Leeds, er war eigentlich überall. Er kam einmal zu einem unserer Gigs und wartete draußen mit seiner Mutter und seiner Schwester. Ich schätze, er ist so um die zweiundzwanzig, dreiundzwanzig Jahre alt.
Jack: Ich würde sagen zwanzig. Er hat auf jeden Fall schon einen vernünftigen Bart!
Ed: Zumindest hatte er exakt die gleichen Klamotten an wie ich im Video zu unserer Single “Paris” (lacht). Er kam zu mir und fragte mich, wo ich all meine Klamotten herhabe. (mit verstellter Stimme) “Wo hast du deine Schuhe her? Deine Schuhe sind echt toll!”
Jack: Er kommt immer mit seiner Mutter und seiner Schwester und die tun mir echt leid. Als wir in Leeds gespielt haben lag Schnee und es war eiskalt, und die beiden haben echt stundenlang draußen mit ihm gewartet und mussten mit zugucken, wie wir in den Bus eingestiegen sind. Die Armen! (lacht)
Ed: Er ist sicher nett, aber ich kann diese Mentalität einfach nicht nachvollziehen, diese Besessenheit als Fan. Vor allem ist das Ganze ja mittlerweile an einem Punkt angekommen, wo es sogar im Detail darum geht, was ich für Klamotten trage. Er ist definitiv unser seltsamster Fan. Ich fühle mich auch nicht geschmeichelt davon, er sollte sich lieber auf andere Dinge konzentrieren. Es gibt Wichtigeres im Leben, als was der Sänger einer Band für Klamotten trägt. Aber ich glaube, das passiert vielen Bands. Je größer eine Band wird, desto mehr verrückte Fans haben sie. Verrückte Fans sind eine Art Indikator für die Größe einer Band. (lacht) Ich meine, stell dir vor, wie KISS-Fans drauf sind! Oder die von Bloc Party. Oder oh Gott, die Klaxons-Fans erst!
“Es gibt Wichtigeres im Leben, als was der Sänger einer Band für Klamotten trägt.”
Geld.
Jack: … regiert die Welt.
Ed: Wenn du im Musikgeschäft bist und es nur für Geld tust, dann machst du einen großen Fehler. In dem Geschäft gibt’s nicht mehr viel Geld. Okay, vielleicht wenn du Duffy bist und Milliarden Alben verkaufst, dann kannst du daran etwas verdienen. Wir verdienen unser Geld hauptsächlich mit Live-Shows. Klar, unser Album ist gut angekommen und seit einer ganzen Weile in den Charts, aber Geld ist definitiv die falsche Motivation, um Musik zu machen.
Jack: Also ich glaube, die wenigsten Menschen gehen des Geldes wegen ins Musikgeschäft. Musik ist oft eher ein Hobby, das zum Beruf wird.
Ed: Aber viele Bands büßen bei ihrem Sound einiges ein, damit sie erfolgreicher werden und mehr Geld verdienen. Viele machen das.
Jack: Wer? Nenn mal Namen!
Ed: (überlegt) Snow Patrol? Okay, vielleicht wollen sie solche Popmusik machen. Aber trotzdem.
Demonstrationen.
Ed: Ich würde gegen die hohen Preise für Fahrkarten nach London demonstrieren. Das ist echt abartig teuer und sorgt sicher nicht dafür, dass die Leute auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Es ist eher noch ein weiterer Grund, lieber mit dem Auto zu fahren und die Umwelt zu verschmutzen. Die Preise werden fast jeden Monat um ein Pfund erhöht. Von St Albans, wo wir herkommen, nach London sind es etwa dreißig Minuten mit dem Zug und es kostet vierzehn oder fünfzehn Pfund. Da ist es billiger, mit dem Auto zu fahren.
Jack: Ich würde gerne Ketamin aus den Clubs verbannen! Es macht die Atmosphäre kaputt, weil die Leute geistig total abdriften und sich nur noch mit sich beschäftigen. Von Pillen oder Speed werden die Leute ja wenigstens noch aufgedreht und gehen ab.
Ed: Woraus wird nochmal Vinyl hergestellt?
Jack: Vinyl ist das Material. (beide lachen)
Ed: Ist die Herstellung schlecht für die Umwelt? Ich dachte nur, wenn man Vinyl-Platten mit einer CD drin verkauft, was ja viele Labels mittlerweile machen, würde man bei jedem Kauf immer CD und Vinyl kaufen müssen. Das würde helfen! Und alle CD- und Plattenhüllen sollten aus Recyclingpapier hergestellt werden!
Danke für das Interview!
Text: Ines Montani
Fotos: Ines Montani


















jasmin schrieb: KRAFTWERK?