Mumford and Sons im Interview

Mumford and Sons aus London sind die Durchstarter der Stunde. Ihre Konzerte in Deutschland waren in Windeseile ausverkauft und ihr Album “Sigh No More” wurde hochgelobt. Country Winston spielt Gitarre und Banjo und stand uns vor dem Konzert in Köln Rede und Antwort.

Eure Gigs in Deutschland sind alle restlost ausverkauft – war das eine großer Überraschung?
Ja klar, wir waren noch nie hier, es ist das erste mal in Köln für uns. Es ist großartig, ich kann es mir absolut nicht erklären.

Wie war eure Tour bisher?
Sehr gut, in die Clubs passten zwischen 250 und 400 Leute und die Ausstattung war nicht immer gut, deshalb hatten wir hin und wieder Probleme. Es sind viele lustige Sachen passiert, aber das Ding ist, wenn man die Geschichten nochmal erzählt, sind sie weitaus weniger komisch. Es war toll und wir haben ein wenig die Städte erkundet. In Berlin zum Beispiel waren wir beim Konzert von Passion Pit, haben dort ein paar Leute kennengelernt und haben den Rest des Abends bei ihnen oben auf den Dächern über Berlich verbracht. Das war echt schön.

Was inspiriert euch zu eurer Musik?
Es ist einfach in unserem Blut – wir lieben, was wir tun. Und wir machen es aus Leidenschaft. Wir hören eigentlich so ziemlich jede Musik, die es gibt und jedes existierende Genre. Bücher und Filme inspirieren uns und natürlich das Leben. Das spiegelt sich auch in der Musik wieder. Wie die Leute unsere Musik einordnen, hängt immer davon ab, wo wir hingehen: In Irland sagen die Leute “Oh, das klingt wie amerikanischer Folk!” und dann spielen wir in Amerika und die Leute sagen “Oh, das ist ja Irish Folk!”. Und in London sagen die Leute “Oh, das klingt wie… nichts eigentlich!” (lacht) Naja, New Folk aus New York vielleicht. Wo immer wir auch hingehen, den Leuten fällt immer etwas anderes ein. Wir sind nicht wirklich einzuordnen. Ich würde am ehesten sagen: Folk’n'Roll!

Für wen macht ihr Musik?
Jeder Song ist für jemand anderen. Entweder für einen selber, oder für jemanden, den man liebt oder für die Menschen um einen herum. Es geht immer um die Menschen, die uns am meisten bedeuten. Manchmal sagen wir den Leuten, dass dieser Song von ihnen handelt, aber manchmal ist es auch offensichtlich und sie erkennen sich in den Songs wieder. Oder auch nicht, ich weiß es nicht.

Wann war der Moment, wo euch klar geworden ist: “Hey, das wird jetzt alles ein bisschen größer!”?
Als wir angefangen haben, waren wir Feuer und Flamme für die Sache. Marcus (Mumford, Anm. d. Red.) hat uns zusammengebracht und wir haben einfach hier und da gejammt und Songs gespielt. In den letzten zwei Jahren haben wir langsam aber sicher an vielen verschiedenen Orten gespielt, in England, Großbritannien, Europa, sogar ein bisschen in Amerika. Wir haben hart gearbeitet und es war alles sehr gradlinig, Schritt für Schritt.

Gibt es Dinge, die dir aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben sind?
Wir haben eine großartige Tour in den Highlands im Norden von Schottland gemacht. Ich war noch nie so weit im Norden und die Menschen waren toll, so freundlich, und die traditionelle Musik erst. Und die Landschaft war natürlich wunderschön. Wir haben in ganz kleinen Städten gespielt, auf den Inseln, Stornoway, Isle Of Lewis, das war einer meiner Lieblingsmomente der Tour. Touren erweitert den Horizot – auf der einen Seite wird die Welt kleiner, auf der anderen Seite viel größer, weil man entdeckt, was es alles auf der Welt zu entdecken gibt.

“Wir sind wie eine Familie.”

Wo siehst du die Band in 10 Jahren?
Oh, ich hoffe, dass wir weiterhin viel Musik machen und touren können. Wir haben echt Glück, dass wir momentan unser Leben damit verbringen können, unterwegs zu sein und Konzerte spielen zu können. Wir sind wie eine Familie.

Ihr seid viel auf Tour – seid ihr denn eine sehr saubere Band?
Wir versuchen, regelmäßig zu duschen, aber das ist nicht immer einfach. Wir verbringen einfach viel zu viel Zeit im Bus. Aber ja, wir duschen! Manche von uns mehr als andere. Ich werde heute duschen und ich bin schon ganz aufgeregt! (lacht) Socken sind sehr wichtig, die Füße müssen immer gut riechen. Dann kommt die Unterwäsche. Hosen sind nicht so wichtig, die kann man die ganze Tour über tragen und sie halten ewig. Wechsel deine T-Shirts jeden Tag und mach das beste aus dem, was du hast – denn du hast einfach nicht viel.

Was war das erste Album, das du gekauft hast?
Ich glaube, das war “Backstreet’s Back” von den Backstreet Boys. Da war ich vielleicht 10. Ein echt tolles Album und da ist dieser eine Song drauf… (singt) “Backstreet’s back, alright!” Ich war großer Fan der Backstreet Boys.

Was würdest du heute machen, wenn du nicht Musiker geworden wärst?
Es ist schwer, über sowas nachzudenken, denn ich habe mein Leben komplett der Musik gewidmet. Mir wurde oft gesagt, dass ich es lieber nicht tun sollte, aber ich habe immer dagegen angekämpft. Ich glaube, wir alle haben Dinge, denen wir uns auch gerne widmen würden – jeder hat mehr als eine Leidenschaft. Ich habe Kunst und Design studiert und ich könnte mir vorstellen, in dem Bereich etwas zu machen. Und ich schreibe gerne, ich würde gern eines Tages ein Buch schreiben. Am liebsten einen Roman. Hermann Hesse ist mein Lieblingsschriftsteller, er ist großartig und ich habe alle seine Bücher gelesen.

Wogegen würdest du gerne einmal eine große Demonstration starten?
Gegen Pädophilie ist ja eigentlich jeder, da brauche ich gar nicht mehr viel zu zu sagen. Ansonsten würde ich gerne für Manchester United demonstrieren – Manchester United until I die! – das ist die beste Antwort, die ich auf diese Frage geben kann. (lacht)

Danke für das Interview und viel Spaß beim Konzert!

Text: Ines Montani



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