Roses Kings Castles im Interview

Adam Ficek hat mehrere Leben. In dem einen ist er mit der chaotischen Indierockband Babyshambles unterwegs, im anderen spielt er als Roses Kings Castles nette Akustiksongs vor einer Handvoll Menschen. “Ich bin nicht der beste Sänger oder Gitarrist.” gibt er zu, aber in 10 Jahren werden wir alle sagen können: den Mann mit Hemd und blitzblank glänzenden Segelschuhen haben wir schon damals im kleinen Saal des Paradiso in Amsterdam gesehen!

Adam, wie war das Konzert?
Gut, ich hätte nicht gedacht, dass überhaupt jemand kommen würde. Für die Verhältnisse des Clubs war es nicht so gut besucht, aber für meine Verhältnisse auf jeden Fall. Auch in Großbritannien kommen nicht so viele Leute zu meinen Shows.

Was ist das für ein Gefühl, ganz allein auf Tour zu sein?
Ich fühle mich schon manchmal einsam, aber es geht nunmal nicht anders. Es hat ja auch immer etwas mit dem Geld zu tun, keiner würde für mich plus Band Anfahrt, Hotel und Gage bezahlen. Aber wenn ich allein bin, geht das.

Die meisten Leute kennen dich ja als Drummer der Babyshambles. Hast du aus deinen Banderfahrungen etwas für deine eigenes Projekt mitgenommen?
Klar! Es ist ein wenig seltsam, auf der einen Seite bei den Babyshambles zu spielen und auf der anderen Seite mein eigenes Ding zu machen, aber ich habe viel gelernt. Ich bin präsenter auf der Bühne und weniger nervös, mit den Babyshambles spielen wir ja immer riesige Konzerte. Andererseits kann ich mich nicht mehr hinter den Drums verstecken, wenn ich alleine auftrete. Es ist viel schwerer, wenn man sich nicht verstecken kann. Und sicher habe ich auch unbewusst Dinge von Peter (Doherty, Anm. d. Red.) übernommen, die Art wie er mit dem Publikum interagiert.

“Wenn ihr zu meinen Konzerten geht, seht ihr, wie ich mich entwickle!”

Gab es deswegen höhere Erwartungen an dich?
Nein, die Leute hatten niedrigere Erwartungen, weil ich nunmal der Drummer der Babyshambles bin. Hätte ich das Ganze ohne diesen Hintergrund gemacht, hätte ich viel mehr geübt und vielleicht ein Jahr mit Vorbereitungen und Proben verbracht. Stattdessen habe ich die Möglichkeit, einfach etwas zu machen und damit ein breites Publikum zu erreichen. Wenn ich mich auf die Bühne stelle, sage ich mir, hey, ich bin zwar nicht der beste Sänger oder Gitarrist, aber wenn ihr zu meinen Konzerten geht, seht ihr, wie ich mich entwickle! Ich glaube, die Leute mögen das, wenn sie sagen können: “Den hab ich damals noch im kleinen Saal des Paradiso gesehen!” So etwas behalten sie für immer. Ich muss niemandem etwas vorspielen – ich kann okay singen und okay Gitarre spielen. Wenn ihr meine Sachen mögt, dann ist das schön.
Außerdem sehe ich mich nicht als “Solokünstler”. Ich bin kein Solokünstler. Wenn ich live spiele, dann spiele ich meine Songs akustisch. Bei einem Solokünstler denke ich immer an meisterhafte Gitarristen – ich spiele nur Akkorde. Roses Kings Castles ist kein Soloprojekt – aber heute ist es eine Soloperformance.

Für wen schreibst du deine Musik?
Für mich selbst. Ich meine, man kann niemanden zwingen, die Sachen die man macht, gut zu finden. Als Musiker muss man einfach Musik machen. Wenn ich einen geregelten Job hätte, würde ich mich auch am Wochenende hinsetzen und Songs schreiben.

Stört es dich, wenn Leute deine Songs herunterladen?
Es stört mich nicht, solange die Leute irgendetwas zurückgeben. Wenn du mein Album bei ThePirateBay runterlädst, weil du kein Geld hast, ist das okay. Aber dann komm zum Konzert, kauf eine 7-inch-Single, kauf irgendwas. Wenn man nichts zurückgibt, gibt es irgendwann nur noch künstliche Pop-Massenware, weil das die einzigen Bands sind, die sich das Musikmachen leisten können.

“Wenn du mein Album runterlädst, ist das okay. Aber dann komm zum Konzert!”

In einem Interview meintest du, “Roses Kings Castles” sind drei Wörter, die deine Musik beschreiben…
… eigentlich schon, aber ich mag den Namen nicht mehr wirklich. Als ich vor zwei Jahren angefangen habe und der NME plötzlich meine Musik entdeckt hatte, gab es kein Zurück mehr. Ich konnte den Namen ja nicht einfach wieder ändern. Vielleicht ändere ich es bald in “RKC”. Ich mag diese drei Worte hintereinander, aber “Roses Kings Castles” klingt zu britisch. Dabei wollte ich nie britisch sein, von wegen hey, ho, The Queen. Wenn man sich meinen Stammbaum und meinen Nachnamen anguckt, bin ich gar nicht so britisch, eher ukrainisch-polnisch und ein bisschen russisch. Klar, ich sehe mich selbst als Engländer, ich mag England, es ist toll. Und darum geht es doch in Großbritannien auch: es ist ein großer Melting-Pot.

Du bist nicht nur Musiker, sondern auch DJ. Was macht für dich einen guten DJ aus?
Ich habe schon immer aufgelegt, seit ich fünfzehn oder sechzehn bin. Hauptsächlich House- und Garage-Musik. Viele DJs üben viel zu Hause, sind sehr gut und können ihr Set von vorne bis hinten auswendig. Ich lasse mich eher von der Energie treiben. Es muss alles fließend sein, aber ich schränke mich nicht ein durch beats per minute. Ich mache gern Elektro-Sets, weil man da technisch viel mehr machen kann, aber manchmal ist auch Indie mehr gefragt. Man muss einfach schauen, was die Leute wollen. Wenn man viel gitarrenlastige Rock-Sachen spielt, ist irgendwann zu viel Testosteron im Raum. Dann kann man zum Beispiel die Ting Tings, La Roux oder Elektro á la Hot Chip spielen. Und wenn das zu viel wird, dann kommen wieder die Gitarren ins Spiel.

Was denkst du über den aktuellen Hype von Band-DJ-Sets?
Also für mich ist das super. Ich mache “Babyshambles DJ-Sets”. Klar, was bedeutet das schon? Aber ich bin ein guter DJ und der Name “Babyshambles” zieht nunmal mehr als mein eigener. Ich hoffe, dass ich in Zukunft auch einfach so unter meinem Namen auflegen kann. Ich mache auch richtige Elektro-Sachen und Remixe unter einem Pseudonym, letztens habe ich zum Beispiel einen Remix für La Roux gemacht. Aber das hänge ich eigentlich nicht gern an die große Glocke. (lacht) Ich mache alles Mögliche – Elektro, Remixe, dann nehme ich wieder meine Akustikgitarre, ich blogge, babyshamble und bin immer beschäftigt. Ich bin gern viel beschäftigt, wenn man es im Musikgeschäft zu etwas bringen will, muss man hart arbeiten.

“Ich bin gern viel beschäftigt.”

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Ich lege Elektromusik auf, mache Indie-DJ-Sets, Roses Kings Castles haben das zehnte Album rausgebracht und Babyshambles… ich weiß nicht, ich hoffe, damit geht es auch weiter. Man weiß es nicht, die Zukunft liegt immer ein wenig im Dunkeln. Aber bin gern mit vielen Dingen gleichzeitig beschäftigt.

Was steht denn in naher Zukunft bei dir an?
Momentan neue Babyshambles-Demos. Dann kommt im Juli eine Roses Kings Castles EP heraus, 500 Exemplare, die nur über die Mailinglist erhältlich sind. Und in fünf davon ist eine kleine Überraschung drin – ich weiß nur noch nicht, was das sein wird. Das neue Album kommt dann im Oktober und die neue Babyshambles-Platte in 2010. Und ich arbeite an vielen Remixen.

Hast du eigentlich bei der Europawahl gewählt?
Ja, hab ich.

Gehört Politik in die Musik?
Ich habe mich erst letztens noch damit beschäftigt. Ich wurde gefragt, ob ich nicht bei der “Featured Artists’ Coalition” mitmachen wollte, einer Vereinigung von Musikern für mehr Mitspracherecht und mehr Rechte gegenüber der Musikindustrie. Ich hatte daraufhin eine ziemliche Auseinandersetzung mit jemandem, weil ich meinte, ich würde nicht mitmachen. Ich habe diese Namen gesehen, Billy Bragg, Kate Nash oder der Gitarrist von Radiohead. Und die wollen ihre Urheberrechte zurück. Und ich dachte mir nur, ihr seid doch alle Millionäre! Ihr habt’s geschafft! Seid ihr nicht ein bisschen besitzgierig? Deshalb bin ich nicht beigetreten. Dann habe ich mit Dave Rowntree, dem Drummer von Blur, telefoniert, habe ihn gefragt, was das soll und war ziemlich frech am Telefon. Wir hatten daraufhin ein nettes Gespräch und er hat mich überzeugt, doch beizutreten. Immerhin versucht die Musikindustrie, Einfluss auf die Künstler zu nehmen und ihnen alle Rechte für ihre eigene Musik absprechen.

Gegen was würdest du sonst noch gerne mal eine große Demonstration starten?
Für besseres Gemüse. Es ist echt schwer, in Supermärkten qualitativ gutes Gemüse zu bekommen. Zum Beispiel in Tesco – die regieren echt die Welt!

Danke für das Interview!

Text: Ines Montani
Foto: Roses Kings Castles


Roses Kings Castles – Horses (live @ Amsterdam, Paradiso)



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