The Fashion im Interview

“Go get your guns and your switchblade knives and cut it up!” Dieser provokative Slogan und der dazugehörige Song halten momentan unaufhaltsam Einzug in die Clubs. Dahinter stecken die Dänen The Fashion, die genau den Zahn der Zeit trafen. Das Quartett vereint eingängigen Dancerock mit einer vor Energie sprudelnden Stimme und verspricht, das neue große Ding zu werden. Wir trafen Sänger Jakob Printzlau vor dem Tourabschluss im Kölner MTC und plauderten über das Leben auf Tour, die Mode und mehr.

Das ist euer letzter Tag der Tour, oder?
Jakob: Oh ja, das stimmt.

Wie war es denn bisher?
Jakob: Es war wirklich toll! Natürlich gab es solche und solche Shows, immer mit einer verschiedenen Anzahl an Menschen an verschiedenen Tagen. Der größte Unterschied zwischen Deutschland und den anderen Orten, an denen wir gespielt haben, ist, dass die Leute hier die Bands anders kennenlernen. In Dänemark ist es so, dass die Leute im Internet auf Bands aufmerksam werden oder eben die Platten kaufen, dann zum Konzert gehen und sie dann mögen. Hier hat man eher den Eindruck, dass die Leute rausgehen und sich die Bands suchen, indem sie sie sich live anschauen.

Gab es irgendwelche Highlights?
Jakob: Ja, Berlin war großartig, aber wir haben dort schon sehr oft gespielt und es war nicht unser erstes Mal. Berlin ist eher unsere zweite Heimatstadt, würde ich sagen. Unser Konzert dort im Magnet Club war ausverkauft und es war echt gut, die Leute sind richtig mitgegangen. Es gab auch ein paar kleinere gute Shows, wie zum Beispiel in Frankfurt. Eigentlich ist alles in Deutschland ziemlich gut gewesen, bis auf Hannover, die haben das irgendwie mit der Promotion nicht ganz auf die Reihe bekommen (lacht)

Wie sieht denn euer Tourleben so aus?
Jakob: Viel rumsitzen, viel warten, viel im Bus sitzen und Filme gucken und viele verschiedene Hotels. Das Leben auf Tour ist also gar nicht so spannend – aber wir hatten ein paar gute Partys auf dem Weg, von daher ist es schon okay. Wir sind jetzt schon seit vielen Jahren zusammen unterwegs, viele von uns haben schon mit anderen Bands zusammengespielt und wir kennen uns sehr gut. Auch wenn es immer hart ist, für so lange Zeit zusammen unterwegs und immer auf engem Raum zu sein. Da wird man leicht mal genervt voneinander und braucht Privatsphäre – aber die gibt’s einfach nicht.

Teilt ihr euch auch Dinge, wenn ihr auf Tour seid? Zum Beispiel Socken?
Jakob: Oh Gott, nein! Wir sehen aber zu, dass wir unsere Klamotten immer waschen. Ich glaube nämlich, ich würde eh nicht in die Socken von irgendjemand anderem reinpassen… (lacht)

Mal zurück zur Band: Wahrscheinlich hasst ihr die Frage, aber… wo ist denn nun die Fashion?
Jakob: Oh ja, die Frage hasse ich tatsächlich, aber irgendwie drängt sie sich ja schon auf. Für den Namen gibt es eigentlich eine ganz einfache Erklärung: Wir hatten vorher einen andere Bandnamen (Joyphilter, Anm. d. Red.) und als wir dann auf unseren Drummer trafen und neue Songs schrieben, war es eigentlich für jeden klar, dass wir eine neue Band wurden. Wir wollten einen Namen, der die Art und Weise wiederspiegelt, auf die wir arbeiten. Wir gehen die Dinge auf eine andere Art an, eine andere “Fashion” also, und deshalb haben wir uns für diesen Namen entschieden. Und es geht ja um die Musik, deshalb ist uns egal, ob die Leute nun etwas anderes von unserem Bandnamen erwarten…

“Wir gehen die Dinge auf eine andere Art an, eine andere “Fashion”.”

Cool klingt er ja allemal!
Jakob: Ja, in der Tat ist da auch ungewollt eine gewisse Ironie drin, weil es alles genau in diese eitle Zeit und den Trend hineinpasst. Das Album ist also lustigerweise genau zum richtigen Zeitpunkt herausgekommen, auch wenn es nie wirklich unsere Absicht war. Auf eine gewisse Weise ist es also doch “fashionable” und modisch.

Denkst du denn, dass Mode wichtig ist für die Musik?
Jakob: Irgendwie hängt das alles zusammen. Wenn du dich mal im Raum umguckst, wirst du natürlich feststellen, dass wir alle nicht sonderlich modisch sind – okay, vielleicht schon, irgendwie. Jede Kultur hat mit Mode zu tun, das sieht man zum Beispiel momentan bei uns in Skandinavien mit den neuen, guten Filmen, der Architektur, Design, Musik. Da ist momentan ein großer Aufschwung.

Skandinavien scheint ja auch eine ganz besondere Beziehung zu Mode zu haben…
Jakob: Das stimmt allerdings! Nur irgendwie haben wir damit relativ wenig am Hut…

Wer ist denn deiner Meinung nach die bestgekleidetste Person?
Jakob: Das kommt ganz auf den Anlass an… (Schlagzeuger Jacob macht hektische Bewegungen und zeigt auf sich) Also wenn es um eine Hochzeit geht, wäre es ganz sicher der Typ hier! (zeigt auf Jacob und lacht) Wir sind aber alle relativ schlecht angezogen, würde ich sagen.

Machst du dir keine Gedanken über dein Outfit für die Bühne?
Jakob: Ich finde, die meisten Leute verkleiden sich viel zu sehr, damit sie tatsächlich so aussehen, wie jemand aus einer Band. Für mich ist es einfach viel gemütlicher, so auf die Bühne zu gehen, wie ich an einem Sonntag zu Hause aussehen würde. Und das ist so… vielleicht ohne die Kappe und den Schal.

Was habt ihr eigentlich gemacht, bevor ihr erfolgreich mit der Band wurdet?
Jakob: Jeder von uns hat irgendeine Ausbildung gemacht, die nun mehr oder weniger in die Musik mit einfließt. Ich zum Beispiel bin Grafikdesigner und Videoregisseur. Unser Schlagzeuger Jacob ist noch in einer anderen Band und versucht dazwischen hin und wieder ein bisschen Geld als Lagerarbeiter zu machen. Wir hatten vorher eigentlich alle gut bezahlte und geregelte Jobs, aber es ist einfach toll, jetzt genau das zu machen, was uns Spaß macht: Musik.

War es überraschend für dich, dass ihr auf einmal so viel Erfolg hattet?
Jakob: Ich weiß nicht, wir haben schon so viele Jahre lang gespielt und vor vielleicht sechs Monaten ist einfach etwas passiert. Ich weiß nicht, was es war, aber das Album kam raus und auf einmal riefen Leute bei unserem Label an und wollten es in anderen Ländern herausbringen. Irgendwann haben wir dann sogar einen Plattenvertrag in Amerika bekommen! Dann ging es einfach nur noch richtig schnell und wir waren plötzlich auf einer langen Tour…

War da auch ein gewisser Hype im Spiel?
Jakob: Ja, vielleicht. Viele spielen bei so etwas immer auf Dúné an, die sind ja auch aus Dänemark und sehr erfolgreich. Die Bands sind jetzt viel selbstsicherer, wo es auch andere gibt, die es geschafft haben, indem sie einfach ihr Ding gemacht haben.

Apropos Hype, von eurer Single “Like Knives” gibt es ja einen Remix auf eurer Myspace-Seite zum Download…
Jakob: …ein echt guter Remix, Tiger Baby sind Freunde von uns. Und Remixe sind eine gute Idee, ja, wenn es gute Remixe sind. Wir hatten circa 25 verschiedene Remixe von DJs oder anderen Leuten, die einfach versucht haben, den Song zu remixen. Nicht immer hat das so super geklappt…

Es gab also auch schlechte Remixe von eurem Song?
Jakob: Naja, wir haben uns dann einfach entschieden, die nicht zu benutzen. Jeder, der einen Remix machen möchte, kann auf jeden Fall die Teile des Songs bekommen und es versuchen, es ist immer gut, eine neue Perspektive eines Songs zu haben, so lange man den Song respektiert. Denn bei den meisten Remixen, die wir hatten, wurde eher versucht, einen neuen Song zu kreieren und Teile unserer Musik einfach in diesen Song zu packen. Das ist irgendwie nicht das, was ich unter einem Remix verstehe.

Nun zur letzten Frage: Gegen was würdest du gerne einmal eine große Demonstration starten?
Jakob: Das ist eine schwere Frage… Ich würde gern mal eine große Demo gegen ihn hier starten (deutet auf Jacob und lacht) Ich war letztens erst auf zwei Demonstrationen in Dänemark. Einmal gibt es so ein Jugendhaus in Kopenhagen, das geschlossen und abgerissen werden sollte. Dort haben viele Punks gewohnt und ich war quasi ein Nachbar des Hauses und habe dort mit demonstriert. Ich habe jetzt keine Steine geworfen oder so, aber einfach auf der Straße meine Unterstützung gezeigt. Und das andere war so eine Pelz-Sache – ich hasse es einfach, wenn Menschen Tiere nur für die Mode züchten und töten. Aber ich glaube, um eine Demonstration zu starten, wäre ich einfach zu unorganisiert. Ein politischer Aktivist zu sein nimmt einfach so viel Zeit in Anspruch wie in einer Band zu sein.

Danke für das Interview!

Der Club war an diesem Abend leider nicht ausverkauft und verhältnismäßig wenige Menschen fanden sich gegen 21 Uhr im MTC ein, um der Band zu lauschen – vielleicht auch bedingt durch das gleichzeitige Hot Chip Konzert, dass die Jungs von The Fashion nur zu gerne besucht hätten. Trotz allem war es ein gelungener Tourabschluss und eins steht fest: von The Fashion wird man in Zukunft sicher noch einiges hören.

Text: Ines Montani



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