The Maccabees im Interview
Während sich rechts und links Menschen in dicken Parkas den Weg zur hell erleuchteten Bühne bahnen, wirkt der junge Brite in der stadionähnlichen Vorhalle des Kölner Palladiums fast winzig: Orlando Weeks – Sänger der Maccabees, die sich mit dem lang ersehnten zweiten Album “Wall Of Arms” ein gutes Repertoire an Festivalsongs sicherten. “Der sieht aus wie der Superschurken-Europäer aus einem Kung-Fu Film”, murmelt er, als wir an einem besonders übellaunigen Security vorbeigeschleust werden. Und während im Hintergrund noch die letzten Bühnentechniker arbeiten, taut der charmante Engländer dann auch ganz auf und plaudert über Lieblingscoversongs und das perfekte Festival Line-Up.
Hey Orlando, wie geht’s dir heute?
Gut, danke. Ich war gestern ziemlich müde, aber heute ist es viel besser.
Ihr wart schön öfter in Köln – fühlt ihr euch in der Hauptact oder Support-Rolle wohler?
Was das Wohlfühlen betrifft, macht es wohl keinerlei Unterschied. Wir können in beiden Fällen ein wirklich “unangenehmes” Konzert haben. Das ist wohl so was wie höhere Gewalt. Hey, ich mein, ich mag das hier – es ist weniger Druck für uns und, ich nehme an, auch weniger Verantwortung.
Wie bei einem Festival?
Genau. Man spielt so gut wie man kann, aber trägt einen geringeren Teil zum Gesamterfolg bei.
Wie würdest du deine eigene Leistungsfähigkeit auf der Bühne einschätzen?
Mager. Ich fühle mich dabei einfach nicht wohl und wenn ich die Wahl hätte, würde ich es auch nicht machen. Aber ich schätze, inzwischen ist es ein bisschen spät dafür, sich gegen Liveauftritte zu entscheiden, oder?
Also bist du lieber im Studio?
Ich will es nicht generalisieren, aber ich mache gerne Dinge. Das ist das Wichtige und Schöne für mich an der Musik.
Ihr habt viele Festivals gespielt, besuchst du selbst gern welche?
Ja, sehr. Haldern Pop dieses Jahr war zum Beispiel ziemlich gut. Ich habe Grizzly Bear und Mumford and Sons sehen können – das waren wirklich besondere Konzerte.
Wenn du also selbst ein Festival zusammenstellen dürftest, welche Bands würdest du einladen?
The Beatles, Arcade Fire, Love… Weil du Festivalbands brauchst, denn Festivals müssen eine bestimmte Stimmung haben. Weißt du was ich meine? Interpol zum Beispiel! Ich würde Interpol nicht zu meinem Festival einladen, weil es sich nicht richtig anfühlen würde, allerdings würde ich sie gerne sehen – sie sind nur leider für den Anlass nicht passend. Ansonsten: Polyphonic Spree dabei zu haben… das wär klasse. Ein Vier-Bands-Festival also.
“we try to be as nice guys as possible”
Würdest du eine dieser Bands zu deinen musikalischen Einflüssen zählen?
Naja, die Beatles sind so was wie ein unausgesprochener Einfluss für ziemlich alles und jedenr, der behauptet, dass es nicht so ist, hat nichts im Kopf. Polyphonic Spree war das erste größere Konzert zu dem ich gegangen bin. Irgendwann sind sie dann… verschwunden und letzte Woche hab ich sie bei Scrubs gesehen. (lacht) Das war richtig seltsam. Trotzdem haben sie einige verdammt gute Lieder.
Welche Serien siehst du denn gerne?
Ich fahre ziemlich auf Naturprogramme ab. Und Californication – ein Freund hat mir die Staffel gegeben und es ist bisher richtig cool. Die meisten Serien gucke ich auf Tour. Ich versuche meinen Tag immer so einzuteilen: arbeiten, lesen, irgendwas gucken, spielen… und dann das ganze wieder von vorne. Ach ja: schlafen.
Hast du in letzter Zeit was Gutes gelesen?
Ich habe die David Ambrose Biografie und Robert Baden-Powells „Scouting For Boys“ gelesen. Letzteres ist über den Pfadfindercode und echt großartig. Ich bin relativ wählerisch und lese nicht sonderlich viel – außerdem habe ich gar keine Geduld und lasse mich leicht ablenken.
Denkst du, dass sich das in deiner Musik wiederspiegelt?
Ich glaube zumindest nicht, dass wir sonderlich geduldig klingen. (lacht)
Letztens habt ihr Black Eyes Peas’ “Boom Boom Pow” gecovert. Wenn ihr noch ein Lied covern müsstet, welches würdet ihr euch aussuchen?
(nach einer langen Pause) “Nothing Compares 2 U” von Sinead O’Connor, aber auch ihre Version und nicht die von Prince. Oder “Marie” von Randy Newman. Warum? Weil es das schönste Liebeslied ist, das jemals geschrieben wurde – 100%. Ehrlich gesagt wünschte ich mir fast, dass ich es geschrieben hätte. Es ist einfach das überhaupt ehrlichste, charmanteste und, wie gesagt, wunderschönste Liebeslied der Welt.
Glaubst du die Maccabees werden für immer zusammen bleiben?
Nein, das habe ich aber noch nie gedacht. Ich glaube auch nicht, dass ich irgendwen kenne mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Aber wer weiß, vielleicht werden wir ja für immer zusammen bleiben – erschreckende Vorstellung, wenn du bedenkst, dass “für immer” ja auch das Leben nach dem Tod mit einschließt… Stell dir das vor: Nicht mal im Tod kannst du ihnen entkommen! (lacht)
Gegen was würdest du gerne mal eine große Demonstration starten?
Ich finde, dass die allgemeine Rezeption und Einstellung zur psychischen Gesundheit geschärft werden müsste. Vorallem in England ist die Einstellung des staatlichen Gesundheitsdienstes bezüglich dieses Themas nichts weiter als ein schlechter Scherz. Wenn du nicht das Glück, beziehungsweise das Geld hast, richtig gut versichert zu sein und versuchst irgendwie einen Nervenzusammenbruch zu verarbeiten, kannst du keinerlei Hilfe erwarten. Ich finde das abscheulich, bin allerdings nicht wortbegabt genug um wirklich eine Demonstration zu starten. Oder vielleicht bin ich auch einfach zu beschäftigt…
Vielen Dank für deine Zeit und viel Spaß beim Konzert!
Text: Franziska Reichwein
Video: Franziska Reichwein
Foto: TixGirl

















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