The Rakes im Interview
The Rakes aus London haben gerade ihr zweites Album mit dem vielversprechenden Titel “Ten New Messages” veröffentlicht und auch mit dem ersten schon eine Menge Ruhm eingeheimst. Sie schrieben bereits einen Song für eine Show des Modelabels Dior und wussten direkt von Anfang an, wie sie ihre Band nennen würden; Mit ordentlicher Verspätung und leerem Magen trafen wir Matthew Swinnerton, Gitarrist, vor ihrem ausverkauften Konzert im Kölner Prime Club und ergriffen die Chance um über Mode, Kraftwerk und (ziemlich wörtlich) Work Work Work (Pub, Club, Sleep) zu reden.
Hi erstmal, wie geht’s dir überhaupt?
Gut, danke! Heute ist unser letzter Tag in Deutschland…
Wart ihr nicht schon mal auf Tour hier!?
Da wir hier noch keine großartige Tour gespielt haben, kommen wir jetzt her und staunen darüber, dass wir in ausverkauften Clubs spielen, mit ziemlich vielen Leuten – verglichen zu letztem Mal ist das echt gut.
Hast du denn auch ein bisschen Sightseeing gemacht?
Klar, in Berlin haben wir das Brandenburger Tor und den Reichstag gesehen und sind nach Friedrichshain gefahren um uns dort ein paar Dinge anzuschauen, das fand ich auch ziemlich interessant.
Was macht ihr eigentlich während der Fahrt im Bus; seid ihr eine dieser Playstation-besessenen Bands?
Nee, nicht wirklich. Aber im Bus haben wir einige Episoden von der Amerikanischen Comedy ‘Curb Your Enthusiasm’. Wir neigen dazu uns auf jeder Tour in eine Sache festzubeißen. Diesmal scheint es das zu sein.
Reisen manchmal Fans mit euch?
Wir haben ein Mädchen, sie reist nicht im Bus, aber sie kommt, glaub ich, zu allen unseren Deutschlandkonzerten. Das ist ziemlich cool, und sie war auch schon bei ein paar Konzerten in England dabei.
Was magst du denn lieber: vor komplett Fremden zu spielen oder vor euren Familien und Freunden?
Ich finde, dass das einzig Entscheidende das Publikum ist. Wenn die Leute Spaß haben, merkst du was du geschafft hast. Klar spielen wir in England größere Konzerte als hier, aber das heißt ja nicht, dass sie nur deshalb besser wären, oder?
Definitiv. Erinnerst du dich noch, als du das erste Mal ein Lied von euch im Radio gehört hast?
Ja, noch bevor wir einen Record Deal oder sowas hatten, haben wir eine CD aufgenommen und diese an einen Londoner Radio Sender geschickt – und sie haben uns tatsächlich gespielt! Damals verschickten wir unsere Demos noch selbst, um Konzerte spielen zu dürfen. Es ist ziemlich befriedigend zu sehen, wie weit wir damit gekommen sind!
Eigentlich habt ihr “The World Was A Mess, But His Hair Was Perfect” ja für eine Dior Show geschrieben… Denkst du dass Mode in der Musik eine große Rolle spielt?
Manchmal denke ich, dass wenn eine Band zu gestylt und zu “hip” ist, sie an Glaubwürdigkeit verliert. Meiner Ansicht nach, muss man eine starke Persönlichkeit haben und nicht nur den neusten Trends folgen um Erfolg zu haben. Mode ist halt nur ein Accessoire, das hilft die Musik und das Image zu unterstreichen.
“Mode ist halt nur ein Accessoire, das hilft die Musik und das Image zu unterstreichen”
Euer neues Album “Ten New Messages” ist ziemlich Pop-Orientiert. Wie kommt’s?
Hm, du hast Recht, der Sound ist echt poppiger, aber das liegt an vielen Einflüssen. Zum Beispiel, die neuen Produzenten mit denen wir gearbeitet haben, und auch die Art wie wir jetzt Lieder schreiben ist anders. Beim ersten Album waren da ne Menge Songs mit der Idee, sie in Pubs spielen zu können; Lieder über die Stimmung und alles. Diesmal sind wir überlegter vorgegangen als damals. Trotzdem finde ich, ein bisschen Punk ist auch in den neuen Liedern noch zu finden. Wenn man genau hinhört!
Was kommt als nächstes? Hip Hop? Techno?
(lacht) Ich glaube nicht, dass wir als Hip Hopper so überzeugend wären. Leider. Aber Techno… wer weiß. Echt, keine Ahnung, Ich denke, das nächste wird wieder lauter, ein bisschen mehr Leben, weißt du was ich meine? kann mir nicht vorstellen, dass wir noch weiter in die Pop-Richtung gehen, den Punkt können wir mit “Ten New Messages” abhaken.
In letzter Zeit haben sich viele Bands aufgelöst, unter anderem Larrikin Love und The Cooper Temple Clause. Was wäre…
Larrikin Love haben sich getrennt? Waren sie nicht erst eine von den “neuen” Bands?
Stimmt schon, zumindest kamen die ersten Singles 2005 raus… Und ihr Album wurde auch gerade erst released.
Dann waren sie ja wirklich nicht allzu lang unterwegs… Schade!
Also, was wäre denn für dich, oder euch, ein Grund aufzuhören als The Rakes Musik zu machen?
Ich glaube in dem Zusammenhang ist es wichtig zu bedenken, dass eine Tour zu einer großen Last werden kann. Du musst die Stunde die du spielst genießen können, Spaß dran haben. Sobald diese Balance nicht mehr stimmt, läuft irgendwas falsch.
Würdest du als Solo Artist weitermachen?
Ich hab mich schon immer gefragt was man mit Musik noch alles anstellen kann und auch das schreiben macht mir Spaß. In irgendeinem Bereich der Musik würde ich auf alle Fälle weitermachen…
Wenn du The Rakes jetzt umbenennen könntest, wie würdet ihr heißen?
Das ist mal eine Gute Frage. Es ist ja schon unglaublich schwer Alben zu benennen… Und dann ne ganze Band? Den Namen hatten wir ja eh als erstes, noch bevor wir irgendwelche Songs geschrieben hatten. jetzt haben wir so viel Material auf dass wir Rücksicht nehmen müssten. Schwer, schwer.
Was ist denn der coolste Bandname den du je gehört hast?
(andächtige Stille) Kraftwerk. Kraftwerk ist definitiv ein cooler Name, ja. Wie übersetzt man das denn am besten ins Englische? Energy Factory? … Hm, was soll’s!
“Kraftwerk ist definitiv ein cooler Name!”
Apropos Factory; In euerm neuen Video habt ihr eine Party auf dem Dach einer Fabrik. Wart ihr wirklich schon mal auf einer Dach-Party?
Ja, der Song ist ja auch aus der Perspektive von jemandem geschrieben, der auf so einer Party ist. Natürlich ist auch recht viel zum Video dazuerdacht worden, aber die Grundidee stammt aus dem eigenen Erfahrungsschatz und ist genau so passiert.
Die beste Party auf der du warst?
Hm, wenn du in einer Band bist, gehst du auf so viele Partys. Die Partys in Amerika sind toll – Weißt du, sie sind für die ganzen Hyper-Coolen Leute, bei denen du dich fragst, was sie eigentlich tagsüber machen. Ich glaube in Amerika kannst du professioneller Party-Gänger werden.
Die schlechteste Party?
Ich hab mal ne Party in meinem Haus geschmissen, die dann aber seltsamerweise in der Garage unseres Nachbars geendet ist. Frag nicht! Plötzlich tauchten da die ganzen “Tough Kids” aus meinem Ort auf und… sagen wir es mal so: Ich hab ziemlichen Ärger bekommen.
Wo wir gerade von Ärger reden… wogegen würdest du gerne mal eine große Demonstration starten?
Das ist eine schwere Frage. ich hab keine Ahnung, ich verspreche dir aber drüber nachzudenken.
Vielen Dank für das Interview und Guten Appetit!
Text: Franziska Reichwein
Foto: Mathieu Zazzo

















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