The Tellers im Interview

Sie gelten als die neue Hoffnung des charmanten Indierocks, kommen aus Belgien und sind momentan mit wunderschönen Songs im Gepäck unterwegs durch ganz Europa. The Tellers nennen sich die vier Jungs und sie haben schon einiges vorzuweisen: ihr Song “Second Category” nämlich dudelte wochenlang in einem Werbespot von Canon vor sich hin, ohne, dass jemand wusste, wer genau sich eigentlich hinter den hübschen Melodien verbarg. Doch das soll sich nun ändern, die Band um Sänger Ben Baillieux-Beynon geht in die Offensive und spielt kreuz und quer, hier und da und sooft es geht. Wir trafen François, Kenley und Ben vor ihrem Konzert im Kölner Studio 726 und plauderten über das Bandleben und das, worum es wirklich geht: die Musik.

Hallo erstmal, wie geht’s euch heute?
Kenley: Gut, sehr gut.
François: Ja, uns geht’s gut. Es ist echt schön, hier in Köln zu sein und wir freuen uns sehr darauf, heute Abend hier in dem kleinen Club unten zu spielen.

Wie lange wart ihr jetzt unterwegs?
François: So circa 3 Wochen, wir sind durch Skandinavien getourt, dann waren wir in Deutschland, in Wien und haben eine Woche in den Niederlanden gespielt. Nächste Woche geht’s dann nach Italien, in die Schweiz, nach Paris, dann nochmal in die Niederlande und nach Belgien. Unsere Tour geht also noch bis Ende Dezember.

Gab es irgendwelche Highlights auf eurer bisherigen Tour?
Kenley: Berlin war auf jeden Fall eins.
François: Ja, Berlin war toll.
Kenley: Und gestern war auch ganz cool.
François: In Nancy haben wir mit I’m From Barcelona gespielt, das hat echt Spaß gemacht. Wenn man zu müde ist, kann man sich gar nicht mehr erinnern, wann man wo war und was wo passiert ist – aber wenn’s ums Highlight der Tour geht, würde ich ganz klar Berlin sagen, das war ein toller Abend.

Also ist euer Eindruck von Deutschland bisher durch und durch positiv…
François: Definitiv, Deutschland ist ein tolles Land und wir haben viel zu viele Schnitzel gegessen… (lacht) Nein, im Ernst, die Leute hier scheinen echt sehr begeistert von unserer Musik zu sein. Als wir in Berlin gespielt haben, war es rappelvoll und wir waren echt beeindruckt, denn wir hätten nie mit so vielen Menschen gerechnet.

Ihr kommt ja aus Belgien, wie sieht es dort aus mit der Musikszene?
François: Ich schätze, es ist ein wenig so wie überall: wir haben eine Art Mainstream-Szene, zu der wir auch gehören – Mainstream-Indie, wenn du verstehst, was ich meine. Und dann haben wir natürlich auch eine sehr stark vertretene Independent-Szene, die ebenfalls sehr gut ist. Belgien ist recht klein, aber sehr gut vernetzt. Verschiedene Kulturen treffen jeden Tag aufeinander und daher ist die Atmosphäre auch sehr interessant. Wir haben einige bekannte flämische Bands wie Soulwax oder Goose und auch ein paar große Namen im französischsprachigen Teil, wie z.B. Girls In Hawaii, die ebenfalls auf unserem Label 62TV Records sind. Und noch ein paar andere.

Seht ihr euch oft andere Bands an?
François: Früher ja, nur momentan haben wir natürlich recht wenig Zeit, weil wir ständig unterwegs sind und fast jeden Abend irgendwo spielen. Dadurch habe ich echt viele Konzerte verpasst… Aber ja, ich bin eine Gig-Schlampe, ich treibe mich gerne auf Konzerten rum und wir haben in Brüssel auch echt gute Clubs.
Kenley: Ich bin früher auch auf viele Gigs gegangen, genauso wie François und die anderen. Wir alle gehen so oft auf Konzerte, wie wir nur können.

Was sind denn eure Lieblingsbands?
Kenley: Momentan? Oh Gott, ich weiß gar nicht… im Moment höre ich viel Devendra Banhart und Kings Of Leon.
François: Ich höre gerne Fog, das ist eine Band aus Minneapolis und die sind echt gut, eine der besten Bands der letzten 10 Jahre. Und Tunng, die kommen aus England und ich mag die Art, wie sie Folksongs mit Elektrobeats arrangieren, das klingt sehr interessant.

Und das beeinflusst dann auch eure Musik?
François: Für den Moment, ja. Ben und Charles zum Beispiel hören auch eine Menge britischer Bands, was nicht schwer zu erkennen ist, und Charles liebt diese ganzen französischen Klassiker, Serge Gainsbourg, Jacques Brel, all sowas, er steht auf die antiken, französischen Songs aus den 60ies und 70ies.

Wie habt ihr vier eigentlich zusammengefunden?
François: Charles und Ben haben sich kennengelernt, als Ben, unser Sänger, einen Radiocontest für ein belgisches Radio namens True FM gemacht hat. Sie haben dann angefangen, zusammen Musik zu machen und haben auf 62TV Records eine EP rausgebracht.
Kenley: Und sie haben ein Album aufgenommen.
François: Sie haben dann mit vielen verschiedenen Musikern zusammengespielt, um ihre Songs auf die Bühne zu bringen, bis sie schließlich uns getroffen haben – das war vor in etwa 7 Monaten. Wir haben uns sofort super verstanden, die Chemie zwischen uns stimmte einfach und so sind wir nun also eine vierköpfige Band.

(In diesem Moment kommt Sänger Ben an den Tisch und setzt sich zu uns.)

Eure aktuelle Platte heißt “Hands Full Of Ink”, Hände voller Tinte – was hat es mit diesem Titel auf sich?
François: Oh, es geht darum, zu schreiben… Lovesongs zu schreiben und anschließend hat man dann Tinte überall auf seinen Händen.
Ben: Ja, wenn kleine Kinder von der Schule nach Hause kommen, haben sie manchmal die ganzen Hände mit Tinte verschmiert – aber sie sind stolz auf das, was sie geleistet haben.

Ihr seid nun Musiker – wie seht ihr denn aus, nachdem ihr etwas geleistet habt?
Ben: (lacht) Oh, wir sehen vollkommen chaotisch aus…. oder?
Kenley: Müde!
François: Oh ja, müde… aber glücklich!
Ben: Auf jeden Fall glücklicher als müde.

Einer eurer Songs hat es in einen Canon-Werbespot geschafft – wie ist es dazu gekommen?
François: Zufälligerweise arbeitete unser damaliger Tontechniker für eine nationale Radiostation in Belgien und er hatte einen Freund, der auf der Suche nach Musik für einen Werbespot war. Wie das halt so ist hat er einfach mal unseren Namen erwähnt, so nach dem Motto “The Tellers, du solltest dir echt mal die Tellers anhören, die haben ein paar richtig gute Popsongs!” Dann haben sie sich unsere Songs angehört, wir kamen neben Musikern wie Devendra Banhart in die engere Auswahl und wurden letztendlich dafür ausgesucht. Eigentlich ein ziemlicher Zufall.

“Ey, ihr verdammten Kommerzschweine!”

Hatte das dann auch Auswirkungen auf eure Bekanntheit?
François: Es hat uns viele Türen geöffnet, hatte aber gleichzeitig vor allem in Belgien auch einen nicht so schönen Nebeneffekt. Wir sind eben erfolgreich und viele andere Bands waren neidisch und verärgert, weil wir unseren Song verkauft haben… bla bla bla.
Ben: So von wegen, ey, ihr verdammten Kommerzschweine! (schmunzelt)
François: Irgendwie fühlen wir uns deshalb hier im Rest Europas auch ein wenig wohler als in Belgien. Irgendwie seltsam, es ist schön, zu Hause zu sein, aber andererseits lastet dort auch wieder ein ganz anderer Druck auf uns.

Stört euch das an der sogenannten Indie-Szene?
François: Es geht, ich glaube, das passiert überall. Aber Belgien ist nun mal sehr klein und da es dort so viele Bands gibt, herrscht ein ständiger Wettkampf und die Menschen werden viel schneller neidisch aufeinander. Aber wir haben uns daran gewöhnt und mittlerweile scheren wir uns nicht mehr wirklich darum…
Ben: Ich finde, was das angeht ist Belgien England sehr sehr ähnlich.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?
François: Im Moment haben wir keine konkreten Pläne, weil wir so viel spielen, zumindest bis Ende 2008. Unsere Priorität ist jedenfalls, unser Album vorzustellen – wir lernen eine Menge auf Tour und lernen uns auch besser kennen. Irgendwann werden wir dann auch wieder an neuem Material arbeiten, aber da gibt es keine Deadline oder ähnliches, momentan bestehen unsere Pläne darin, auf Tour zu sein und uns möglichst wenig Gedanken darüber zu machen, was als nächstes passiert.

Was für Dinge lernt man denn auf Tour?
François: Hmmm, man lernt eine Menge über Teamwork, was man tun muss, damit das Team funktioniert und was man besser nicht machen sollte. (lacht) Und natürlich trifft man ständig neue Leute an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Umständen. Wir spielen seitdem viel besser. Wenn du jeden Abend irgendwo spielst, musst du lernen, dich nicht zu langweilen. Du musst echt eine ganze Menge lernen.

Wie werdet ihr Weihnachten verbringen?
François: Wir haben eine kleine Weihnnachtspause für circa ein bis zwei Wochen, das ist echt wichtig für uns, denn es ist momentan echt super anstrengend. Ansonsten bin ich aber kein Freund von Weihnachten…
Ben: Ich mag Weihnachten! Mit Weihnachtsbaum und so, das ist echt schön.
François: Und naja, Kenley ist sowieso Jude. (alle lachen)
Kenley: Aber ich werde mich dann bei irgendjemandem einladen und mit ihnen feiern. Und natürlich lade ich sie zu Chanukka ein, das ist unser Lichterfest.

Und nun die letzte Frage: Gegen was würdet ihr gerne einmal eine große Demonstration starten?
François: Gegen gar nichts… wir würden höchstens gegen Demonstrationen demonstrieren! (lacht) Ich bin nicht wirklich politikinteressiert, es ist alles eine große Lüge und die Energie, die man dafür aufbringt, gegen etwas zu kämpfen, kommt im Endeffekt der anderen Seite zugute. (alle nicken) Daran glauben wir jedenfalls. Man sollte sich entscheiden, woran man glaubt, ohne irgendjemandem dabei zu schaden.

Danke für das Interview!

Text: Ines Montani



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